Der US-Wahlkampf nach dem Pariser Fiasko

Von Felix Morfey

Washington, im Mai

Nur wenige Amerikaner hatten sich von der Gipfelkonferenz eine großartige Entspannung versprochen. Viele Republikaner, die im vergangenen September schon den Empfang Chruschtschows in Amerika mißbilligten, waren ja von vornherein gegen die Reise des Präsidenten nach Paris wie gegen seinen jetzt abgeblasenen Besuch in Rußland gewesen. Die Demokraten hatten Eisenhowers Bemühungen zwar mit größerer Einhelligkeit, doch gleichfalls ohne übertriebene Hoffnungen unterstützt. Der schmähliche Kollaps der Konferenz zu Paris hätte denn allein auch nicht genügt, der Öffentlichkeit einen ernsthaften Schock zu versetzen.

Was die Amerikaner aller Richtungen aufgebracht hat, ist nicht der Zusammenbruch des Gipfeltreffens, sondern die Art, in der Chruschtschow diesen Zusammenbruch provozierte. Sein beleidigendes und verletzendes Auftreten hat zwischen Atlantik und Pazifik, zwischen den Großen Seen und dem Golf von Mexiko einen einzigen Schrei der Entrüstung ausgelöst. Zugleich aber hat es Eisenhower, dessen Popularität gegen Ende seiner Amtszeit zunehmend verblaßt war, abermals ein Maß an begeisterter Unterstützung verschafft, wie er es seit seiner ersten Wahl im Jahre 1952 nicht mehr erlebt hatte.

Nikita ging zu weit

Die Wirkung von Chruschtschows ungeschliffener Grobians-Taktik beschränkt sich indes nicht auf diese politische Wiederbelebung Eisenhowers. Der Sowjetpremier hat damit nicht nur vermocht, die Amerikaner gegen die kommunistische Führung aufzubringen; er hat es auch geschafft, sie gegen die Russen als Volk in Harnisch zu bringen. Mit der Gipfelkonferenz liegt auch das jüngst erst in geduldiger Arbeit errichtete Gebäude für bessere kulturelle Beziehungen zwischen den beiden Ländern wieder in Trüm-