Noch vor wenigen Jahren ging es auf den Hauptversammlungen von Cassella recht lebhaft zu. Die freien Aktionäre befürchteten, von den drei großen Farben-Nachfolgern, die drei Viertel des Aktienbesitzes erworben hatten, an die Wand gedrückt zu werden. Davon ist heute keine Rede mehr. Offensichtlich bemüht man sich in Mainkur um das Wohl der 15 000 bis 16 000 Aktionäre, bei denen der verbliebene Streubesitz liegt. Jedenfalls waren sie, soweit sie an der gut besuchten Hauptversammlung (Präsenzziffer 89 v. H.) teilnahmen, zufrieden. Ihre Fragen wurden eingehend und sorgfältig beantwortet; vor allem aber zeichnete der Vorstandsvorsitzer Prof. Zerweck ein instruktives Bild der Geschäftspolitik des Hauses Cassella, die, vor 90 Jahren begründet, heute noch als Richtlinie dient.

Selbstbeschränkung auf die letzte Veredlungsstufe – vor allem auf den Gebieten der Farbstoffe, Färberei-Hilfsmittel und Textilveredlungsprodukte, die zwei Drittel des Produktionswertes ausmachen –, ist das Leitmotiv. Als Richtlinie gilt ferner: keine Expansion um jeden Preis, sondern Arbeiten in die Tiefe also Pflege der Forschung und der Anwendungstechnik. Mit alldem ist Cassella in der zurückliegenden Zeit gut gefahren. Die Aktionäre gewannen auf der HV den Eindruck, daß sich hieran für die Zukunft nichts ändern werde. Nach einer Diskussion wurde allen Anträgen der Verwaltung einstimmig und ohne Stimmenthaltung entsprochen. W. R.