Japans Premierminister Nobusuke Kishi hatte Pech. Der Widerstand gegen den neuen Sicherheitsvertrag mit den USA, den er zu Beginn des Jahres in Washington unterzeichnete, war während der letzten Monate ohnehin schon immer mehr gewachsen. Ein Widerstand übrigens, der nicht nur von der sozialistischen Opposition kam. Auch viele Anhänger der liberal-demokratischen Regierungspartei sind nicht sehr begeistert über diesen Sicherheitsvertrag, der Japans Bündnis-Klammer zur westlichen Welt ist. Die atomgebrannte Nation scheut die Gefahr eines neuen Feuers.

Und nun geschah es, daß dieser Vertrag eben zu einem Zeitpunkt vors Parlament kam, da kurz zuvor der U-2-Zwischenfall die Welt erregt und die Pariser Konferenz gesprengt hatte. Es erinnerten sich die Kritiker der Regierung, daß vor gar nicht langer Zeit ein findiger japanischer Journalist eine Maschine haargenau dieses Typs auch auf einem amerikanischen Air-Force-Stützpunkt in Japan entdeckt hatte: ohne alle Kennzeichen und schwer bewacht.

Da haben wir’s! rief die Opposition. Seht, wie die Amerikaner uns schon jetzt für dumm verkaufen wollen; wohin wird das einmal führen!

Im Parlament verlegten sich die Sozialisten, die zahlenmäßig weit in der Minderheit sind, auf die Sprache der Fäuste. Sie versuchten den Präsidenten daran zu hindern, die Sitzung überhaupt zu eröffnen. Aber da schritten, in ihren schwarzen Uniformen, die Hüter der Ordnung ein. Und als schließlich auf je einen Oppositionsabgeordneten drei Polizisten kamen, da war das Haus „unter Kontrolle“.

Die Sozialdemokraten verließen laut protestierend den Saal, die Regierungspartei ratifizierte den Vertrag.

Nun aber brach der Sturm erst richtig los. Die Straße trat in Aktion. Gewerkschaftler und Studenten – vor allem Mitglieder der linksextremistischen Zengakuren-Organisation – stürmten am vergangenen Wochenende Kishis Privatresidenz und forderten den Rücktritt des Premiers. Tausend Demonstranten zogen zur amerikanischen Botschaft.

Geschickt hat der Kreml sofort Öl aufs Feuer gegossen. Japan, so erklärten die Sowjets, solle schleunigst die US-Luftstützpunkte im eigenen Lande schließen, oder es werde die Folgen für alle „provokativen Unternehmungen“ zu spüren bekommen, die von dort ausgehen. Eine vage Drohung, doch sie war nicht ohne Effekt.