Die Gründungswelle neuer Investment-Fonds ist seit ein paar Monaten vorbei. Bei vielen in diesem Jahr ins Leben gerufenen Fonds war das Zeichnungsergebnis ausgesprochen mager. Im übrigen hat sich der Absatz von Zertifikaten aller Fonds in den letzten Wochen merklich verlangsamt. Das Sparerpublikum ist nach den jüngsten Rückschlägen vorsichtiger geworden, teilweise hat es sogar Zertifikate verkauft, um den aufgelaufenen Gewinn sicherzustellen. Die beträchtlichen Preisschwankungen der Zertifikate haben sogar eine Spekulation in Investment-Papieren möglich gemacht, wenngleich Investment-Zertifikate ihrer Natur nach reine Anlagewerte sind. Das Spekulieren, meine verehrten Leser, besorgen bei den Fonds die Fachleute, die das Fondsvermögen verwalten. Die Absatzflaute bei den Zertifikaten ist es offenbar gewesen, die den Investment-Managern etwas Neues einfallen, ließ. Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang das sogenannte „Teilhabe-Sparen“ oder das „Sparen nach Sparplan“. In beiden Fällen verpflichtet sich der Sparer, monatlich einen bestimmten Betrag zum Ankauf von Zertifikaten zur Verfügung zu stellen. Einmal im Jahr wird dann abgerechnet. Eine Einrichtung, die in den USA schon seit langem existiert und dort beträchtliche Erfolge errungen hat, kommt nun auch zu uns.

Dank ihrer Steuergesetzgebung können die Amerikaner über Investmentfonds sparen, ohne die Erträge des Fonds versteuern zu müssen, wenn die Dividenden-und Zinseinnahmen nicht ausgeschüttet, sondern sofort wieder angelegt werden. Der Anteilsbesitzer erhält statt eines jährlichen Einkommens einen ständigen Zuwachs des Anteilwertes. In der Tat erhöht sich sein Einkommen ja auch nicht, sondern sein Vermögen. Diesem Beispiel folgend hatte die Dresdner Bank seinerzeit den „Thesaurus-Fonds“ ins Leben gerufen, der nach den Satzungen ebenfalls keine Ausschüttungen vornehmen sollte; vielmehr waren alle Einnahmen aus den Wertpapieren des Fonds dafür bestimmt, wieder angelegt zu werden. Theoretisch müßten die Ausgabepreise von Thesaurus also schneller wachsen als die der übrigen Fonds, bei denen jährlich Ausschüttungen erfolgen.

Die Thesaurus-Gründung mußte in Interessentenkreisen natürlich. Staub aufwirbeln. Denn über den Kauf von Thesaurus-Zertifikaten konnte man praktisch seine Einkünfte aus Kapitalvermögen völlig steuerfrei machen, da die Investment-Gesellschaften grundsätzlich die vollen Dividenden ausgezahlt erhalten, also bei ihnen auf den Vorwegabzug von 25 Prozent Kapitalertragsteuer verzichtet wird. Es ist kein Geheimnis, daß viele „große Leute“ Thesaurus-Zertifikate nur aus steuerlichen Gründen erworben haben und auf legale Weise der Einkommensteuer ein Schnippchen schlugen – was in den USA auch nicht als anstößig angesehen wird.

Anders bei uns. Unter dem Druck einiger Proteste wurde dann der Thesaurus-Fonds geschlossen, d. h. es wurden keine Zertifikate mehr abgegeben. Wer welche besaß, erlitt keinerlei Schaden. Inzwischen ist das Tauziehen hinter den Kulissen beendet worden. Eine Einigung scheint sich abzuzeichnen. Sie soll in einem besonderen Gesetz (Lex Thesaurus) verankert werden. Danach darf es auch in Zukunft Investment-Fonds geben, die grundsätzlich auf Ausschüttungen verzichten und alle Gewinne „thesaurieren“ (oder neu anlegen). Aber diese Fonds sind verpflichtet, bei Ablauf einer Rechenschaftsperiode ihren Zertifikatsbesitzern zu sagen, wieviel steuerpflichtige Einnahmen auf das einzelne Zertifikat entfallen. Diese hat der Steuerpflichtige dann im Rahmen seiner Einkünfte aus Kapitalvermögen zu versteuern. Auf diese Weise ist der besondere Steueranreiz, der beim Thesaurus-Fonds vorhanden war, beseitigt worden. Das kann, den einen oder anderen Großzeichner zu einer Prüfung veranlassen, ob für ihn unter diesen Umständen der Thesaurus-Fonds noch das Richtige ist.

Für den „kleinen Sparer“ ist diese Regelung nur von untergeordneter Bedeutung. Rekapitulieren wir, meine verehrten Leser, ganz kurz die Steuerfragen bei den Einkünften aus Investment-Zertifikaten. Zunächst: Bei jeder Ausschüttung sagt Ihnen der Fonds, wie sich der jeweilige Betrag zusammensetzt (Dividenden und Zinsen, realisierte Kursgewinne, Verkaufserlöse von Bezugsrechten). Die beiden letzteren Posten sind steuerfrei, wenn die Zertifikate zum Privatvermögen gehören. Dagegen sind die Einnahmen aus Dividenden und Zinsen steuerpflichtig, auch beim Privatvermögen. Arbeitnehmer unter 24 000 DM Jahreseinkommen mit unter 800 DM jährlichen Nebeneinkünften brauchen aber auch Zinsen und Dividenden nicht zu versteuern. Außerdem ist bei Einkünften aus Kapitalvermögen ein Pauschbetrag für Werbungskosten von 300 DM für zusammen Veranlagte, in allen anderen Fällen ein solcher von 150 DM steuerfrei. Der kleinere Sparer ist. dadurch praktisch vor dem unangenehmen Griff des Finanzamtes geschützt.

Mit diesen Hinweisen, meine verehrten Leser, möchte ich mich für einige Wochen von Ihnen verabschieden. Nach meinem Urlaub werden wir uns an dieser Stelle in altgewohnter Weise weiter unterhalten. Ihr Securius