Von Gottfried Sello

Im April war Hans Arp im Hamburger Kunstverein. Im Juni kommt Henry Moore. Zwischen diesen großen internationalen Namen ein fast Unbekannter: Reinhard Drenkhahn.

1926 wurde er in Hamburg geboren, 1959 ist er aus dem Leben geschieden. Nicht aus äußeren Gründen, wegen finanzieller Schwierigkeiten oder Erfolglosigkeit. Das hatte er einigermaßen durchgestanden, hatte während des Studiums, wenn er kein Geld hatte, als Dekorateur gearbeitet, war zur See gefahren, auf Heringsfang nach Island, hatte seine erste Frankreichreise durch Erntearbeit in der Provence finanziert, hatte 1950 ein eigenes Atelier in der Sierichstraße in Hamburg bezogen, einen geräumigen, verwinkelten, ausgebauten Dachboden, mit dem Eisenofen und den Dachbalken, die er oft gemalt hat, mit einem schweren Eichentisch und Hockern, die zu einer Schiffsausrüstung gehört hatten und die fest im Boden verschraubt waren – ein einfaches Mittel gegen das Schwanken des Bodens, das ihn beunruhigte. In diesem Atelier hat er jahrelang besessen und in vollkommener Einsamkeit gearbeitet.

1956 kam er mit einer ersten Ausstellung heraus, für Hamburger und deutsche Verhältnisse wurde sie ein durchschlagender Erfolg. Er hatte seitdem einen kleinen enthusiastischen Stamm von Sammlern und Freunden. Als er im März 1959 in Paris war, wurde für den nächsten Monat mit Hilfe von Professor von Oppen, dem Direktor der Hamburger Hochschule, und Berto Lardera eine Ausstellung in einer Pariser Galerie vorbereitet. Das hört sich hoffnungsvoll an, wie der Anfang einer großen Karriere. Aber sein Weg war schon zu Ende. Für die einen ist Malen eine angenehme, manchmal sogar einträgliche Beschäftigung, für andere eine Sache auf Tod und Leben.

Die Bilder in der Gedächtnisausstellung stimmen aus den sechs Jahren, die ihm zum Schaffen verblieben Drenkhahn hat 1953 alle seine frühen Arbeiten vernichtet, nicht in einem Anfall von Schwermut, sondern in einem Akt grausamer Selbstkritik, im Gefühl der Unzulänglichkeit des Bisherigen.

Was in dieser kurzen Zeitspanne entstand, ist viel mehr als nur eine Hoffnung oder eine Talentprobe. Es hat nicht den Charakter des Fragmentarischen, es ist abgeschlossen, ein Lebenswerk mit verschiedenen, deutlich unterscheidbaren Phasen, mit atemlosen Passagen und Strecken eines glücklichen, relativ beruhigten Schaffens, mit grandiosen Höhepunkten.

Stark, kraftvoll ist der Beginn: Landschaften, Stilleben, Hafenbilder, Küste, Strand, Fabriken. Drenkhahn stürzt sich mit Leidenschaft, mit unbändiger Vitalität auf die Dinge dieser Welt, auf das Sichtbare. Oft sind die Objekte in eine wilde Dynamik hineingerissen.