Ist Hebräisch wieder eine Volkssprache geworden? Die Sprache Mose, die „heilige Sprache“, war mehr als achtzehnhundert Jahre eine tote Sprache. Das „klassische“ Hebräisch lebte seitdem nur noch in den Gelehrtenstuben und in den Bethäusern weiter.

Im biblischen Land hatte sich mit der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft (neben der alten Schriftsprache) nach und nach das Mischna-Hebräisch entwickelt. In dieser Sprache wurden die rabbinischen Lehren während der ersten christlichen Jahrhunderte niedergelegt. Kurz vor Beginn der christlichen Zeitrechnung kam das Aramäische, das aus der Amts- und Verkehrssprache des Perserreiches entstanden war, mit dem Griechischen, der Sprache der Gebildeten, im Heiligen Land in Gebrauch.

An das Wunder der Wiedererweckung des Hebräischen ließ sich schwer glauben. Denn wo war das Volk, das diese alte Sprache (deren Aussprache noch nicht einmal mehr bekannt war) zur modernen Umgangssprache machen wollte?

Das Wunder wird aber in unserem Jahrhundert geschehen: in den nächsten fünfzehn bis zwanzig Jahren. Die Wiederbelebung des Hebräischen ist so etwas wie der Zug durch den Triumphbogen – für das Judentum, von dem bisher gesagt wurde, daß es weder eine bloße Konfession noch eine Rasse oder eine moderne Nation sei.

Das Merkmal einer Nation ist die Sprache. Ein Fünftel aller israelischen Staatsangehörigen spricht jetzt Jewrith – das Neuhebräische – als Muttersprache.

Für die Erlernung des Neuhebräischen durch die Immigranten aus vielen Ländern der Erde werden in Israel nicht geringe Mittel aufgewendet. Wacht der „Rat der Sprache“ (Waad halaschon) über die Prägung neuer Wörter, die dem Geist des Hebräischen entsprechend geformt sein müssen, so vermitteln die Abend-Seminare (die sogenannten Ulpanim) den Einwanderern den ersten Unterricht in der neuen, in ihrem Gefüge aber so alten Sprache.

Das biblische Hebräisch enthielt rund 7700 verschiedene Wörter. Das neue Jewrith-Wörterbuch von Jewen-Schoschan führt mehr als 28 000 Wörter auf. 8400 Ausdrücke des 20. Jahrhunderts wurden erst in jüngster Zeit in den Jewrith-Wortschatz aufgenommen.