DIE ZEIT

Das Fest des Geistes

Zu Pfingsten, am Fest des Heiligen Geistes, ein Plädoyer zu halten für den Geist ist ebenso schwierig wie notwendig, weil im Zeitalter des theoretischen Materialismus im Osten und eines praktischen Materialismus im Westen das ständige Gerede von der Ohnmacht des Geistes die Geister verwirrt und die Herzen zaghaft gemacht hat.

Kosaken-Vorbild

Die ZEIT hat letzte Woche jenes Sendschreiben der Saporoscher Kosaken an den türkischen Sultan zitiert, dessen rüde Tonart, so scheint es, in Chruschtschows diplomatischer Sprache wieder anklingt.

Wahlblinde Politik

Zum zweitenmal innerhalb kurzer Zeit mußte sich Theodor Blank den wahltaktischen Spekulationen seiner Fraktion beugen. Er wollte den bedürftigsten Kriegsopfern, die sich aus eigener Kraft am wenigsten helfen können, ihre Renten fühlbar erhöhen.

Seebohms Fall

„Herr Eschenburg versucht, einen ‚Fall Seebohm‘ aufzubauen. Für unsere Landsleute, dessen bin ich mir sicher, ist es aber durchaus ein ‚Fall Eschenburg‘, vielleicht sogar ein Fall ‚Die Zeit‘ geworden.

Diplomaten an die Front

Eines ist in den letzten Tagen deutlich geworden: Der Weg zu einem neuen Gipfel wird sehr lang sein – wenn die weltpolitische Alpinistik fürderhin nicht überhaupt wieder den weniger spektakulären Methoden der klassischen Diplomatie weichen muß.

„Es gibt kein Deutschland mehr...!“

Die Katholische Akademie in Bayern und die Domschule Würzburg veranstalteten im Würzburger St. Burkardus-Haus gemeinsam eine Tagung, die den Stempel des Außergewöhnlichen trug.

ZEITSPIEGEL

Indem wir Berlin verteidigen, verteidigen wir auch uns selbst...............................................................

Keine „dritte Kraft“ in Algerien

Von den algerischen Gemeindewahlen des letzten Wochenendes ist gemeldet worden, daß so und so viele Gewählte der gaullistischen Listen so und so vielen der Ultras gegenüberstünden (die paar Linken fallen ohnehin nicht ins Gewicht).

Die Verdammten der Liebesinseln

Am 4. Mai legte von der Galata-Brücke in Istanbul ein weißer, mit den Flaggen der 15 NATO-Staaten geschmückter Vergnügungsdampfer ab.

Endlösung durch „Sonderbehandlung”

Eichmann war bei der Besprechung vom 20. Januar 1942 zugegen, in der die neue Parole ausgegeben wurde: „Unter entsprechender Leitung sollen im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen.

Nasenstüber für de Gaulle

Die Führerrolle, die Charles de Gaulle dank der Schwäche der beiden anderen westlichen Vertreter bei der gescheiterten Pariser Gipfelkonferenz spielen konnte, dürfte wohl ihre Folgen haben.

Front gegen die Gottesleugner

Es war im Winter 1950, als der Name Leudesdorff einmal in den Schlagzeilen der Weltpresse erschien: Er hatte sich – ein junger Student – mit seinem Kommilitonen Hatzfeld und dem politischen Publizisten Prinz zu Löwenstein nach Helgoland übersetzen lassen, das damals der englischen Luftwaffe als Übungsplatz für Bombenwürfe diente.

Schleswig-Holstein: Anstößige Marinejugend?

Als der Kreisjugendring der Stadt Flensburg kürzlich zu seiner Vollversammlung zusammentrat, lag den Vertretern der 22 Flensburger Jugendverbände ein Antrag der Marine-Jugend in Flensburg vor, in den Kreisjugendring aufgenommen zu werden.

Niedersachsen: Und wer glaubt mir nach Pfingsten?

Ich wollte zu Pfingsten meine Eltern besuchen. Mit einer verbilligten Schülerfahrkarte der Bundesbahn, versteht sich. Da ich Student bin, zudem unverheiratet, gewährt mir die Bahn zu diesem Besuch eine Fahrpreisermäßigung.

Bremen: Boljahns billiges Benzin

Der Versuch, den Bremer Kraftfahrern mit gerichtlichen Mitteln den preisgünstigen Benzinhahn abzudrehen, ist gescheitert. Boljahns billige Benzinquellen sprudeln weiter.

Mensch und Automat

An einem Gartenzaun in Offenbach hängt ein Blumenautomat. Der darf verkaufen, wann er will. Jeder vergeßliche Sonntagsbesucher wird prompt von ihm bedient, jedes späte und plötzliche Rendezvous erhält durch ihn seinen Segen.

Hamburg: Lieber Onkel, wir kennen uns nicht...

Wie rührend sind Brieflein von Kinderhand. Welche – meist ungenutzten – Energien sind darin verborgen. Ungenutzt zumeist in kapitalistischen Ländern, wo Kinder in so barbarischer Weise in Unkenntnis gelassen werden über politische Fragen.

Berlin: Politik mit Studenten

In der karg ausgestatteten Geschäftsstelle des Landesverbandes Berlin des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes wurde Anfang dieser Woche alles für einen schnellen Stellungswechsel vorbereitet.

Dienst an der Sittlichkeit

Das Buch „Am grünen Strand der Spree“ enthielt ursprünglich acht Novellen, deren eine sich, eh’s noch erschien, unter dem Titel „Schkola“ zu einem selbständigen Büchlein machte.

Begegnung mit Henry Moore

Unterhaltungs-Fragmente anläßlich der bisher größten Ausstellung der Werke dieses Bildhauers

Englische Traditionen

Daß die kommende Pariser Konferenz der Länder, die gemäß dem Schuman-Plan gewillt sind, sich zu einer neuen europäischen Organisation zusammenzuschließen, ohne Vertreter Großbritanniens tagen wird, ist zwar noch nicht sicher, aber immerhin zu befürchten.

Unser Recht:: Entscheiden Kranke?

Jeder ärztliche Eingriff in den Körper eines Menschen ist nur mit Zustimmung des Patienten erlaubt. Ausnahmen bestehen dann, wenn der Kranke unfähig ist, sein Einverständnis zu erklären, obwohl Hilfe dringend geboten ist.

Sind in Freiburg Heilige Professoren?

Von Idealismus allein kann kein Mensch leben. Daß viele es dennoch versuchten, soll hier nicht behauptet werden. Tatsache bleibt, daß ein Beruf wie der des Hochschullehrers unterbezahlt ist; Tatsache bleibt freilich auch, daß davon unter anderem deswegen noch nicht viel ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gedrungen ist, weil einzelne Professoren sehr wohl Löcher zu finden wissen, die aus der allgemeinen Misere herausführen – und weil die Öffentlichkeit dann verallgemeinert: ach, die wissen sich schon zu helfen.

Mein Gedicht: Harzreise im Winter

Nein, es ist nicht „mein“ Gedicht. Ich halte es auch nicht für Goethes schönstes oder wichtigstes Gedicht. Es ist ganz einfach das letzte Gedicht in deutscher Sprache, das mich bis zu Tränen erregt hat.

Dieser widerliche Wohlstand

Um ihn in bessere Stimmung zu versetzen, wollte ich das Thema wechseln: „Was hören Sie von Ihrem neuen Roman?“ Ich hatte ihn gerade gelesen.

Es ist alles immer viel komplizierter

Es gibt viel Seltsames, über das man nicht nachdenkt – es sei denn, man wird dazu geschubst. So ich zu der Frage: Weshalb eigentlich wollen die Einheimischen von Fremden so gern wissen, was sie von ihrem Lande halten? Wie gefällt Ihnen, Herr Ausländer, Deutschland, Amerika? Diese Neugier ist hartnäckig.

Zeitmosaik

Und mir scheint, daß jene berüchtigte „Hast“ dieselben Züge zeigt. Ich hatte mir vor meiner ersten Überfahrt vorgestellt, daß ich jeden Tag mindestens dreimal von einem Hastigen überrannt werde.

Ukas gegen abstrakte Künstler

Warschau, Anfang Juni er Adel wird in der Geschichte verdammt, doch man rühmt sich gern seiner kulturellen Taten. Die Straße heißt Krolewska, an der das große Haus der Kunst mit dem klassizistische! Säulenportal wieder erbaut worden ist: Königstraße.

Gefährlich leben

Um Boris Leonidowitsch Pasternak, den einsamen, umstrittenen, höchst bedrohten und höchstgepriesenen Autor des Romans „Doktor Schiwago“, haben wir ausgesorgt.

Die Sprache der Juden

Ist Hebräisch wieder eine Volkssprache geworden? Die Sprache Mose, die „heilige Sprache“, war mehr als achtzehnhundert Jahre eine tote Sprache.

Wiener Lektionen

Daß Wien nicht nur eine Stadt, sondern das Symbol für eine bestimmte Lebenshaltung ist, hat sich herumgesprochen, aber begriffen haben es dennoch nur wenige, weil es nur wenige Interpreten dieser Lebenshaltung gibt, die mehr von Wien zu erkennen vermögen als das, womit es zunächst blendet: Heurigen und Stephansdom, Walzer und Prater.

Die scheinbar einfache Kunst der dänischen Baronin

Der mit literarischen Minderwertigkeitskomplexen gewiß nicht gesegnete Ernest Hemingway soll vor Jahren, als ihm die Nachricht von der Verleihung des Nobelpreises durchgegeben wurde, gesagt haben, für diesen Preis sei nicht er der Würdigste: das sei vielmehr die dänische Baronin Karen Blixen, die heute 75jährige Gutsbesitzerstochter aus Rungsted bei Kopenhagen.

Unser Seller-Teller Mai 1960

So verschieden ihre Ergebnisse im einzelnen auch aussehen mögen – die Sortimenter, aus deren Verkaufsberichten wir am Ende jedes Monats diesen Seller-Teller zusammenstellen, sind sich doch gewöhnlich über einen oder auch zwei oder drei Titel ziemlich einig: diese und keine anderen waren allerorts die bestverkauften Bücher des vergangenen Monats.

Aristokratische Erzählkunst

„Seit es Sprache gibt, sind Geschichten erzählt worden, ohne Geschichten wäre die menschliche Rasse zugrunde gegangen, wie sie ohne Wasser zugrunde gegangen wäre.

Kaufen Frauen mit Verstand?

handelt es sich außerdem um ein Thema, das uns alle betrifft. Ob es Produzent und Werbemann gelingt, die Kauflust der Frauen zu steigern und zu steuern und – inwieweit dabei die weibliche Intelligenz (oder Dummheit), Unberechenbarkeit, Intuition, Sensibilität und Labilität einkalkuliert werden können, geht nicht nur Fachleute und Käuferinnen an, sondern jedermann.

Ein schwieriger, kein gemeiner Mann

Jahrelang hat das Kind Nele Benn in Dänemark, wo es nach dem Tode der Mutter 1922 vom siebten Jahr an aufwuchs, unter dem dort so fremden Vornamen gelitten.

Neu wie am ersten Tag

Die moderne Psychologie ist ja so gescheit im Erklären der ausgefallensten Abwegigkeiten – und hat vielleicht sogar recht. Aber vor dem großen Einfachen verstummt sie.

Reichsbank: Jetzt Klage-Drohung

Es wird nicht ganz leicht sein, die Panne, die bei der Verabschiedung des Reichsbank- und DEGO-Liquidationsgesetzes passiert ist, wieder wettzumachen.

Wovon die City spricht: An der Kette der EFTA

Wie man in der Londoner City meinen will, ist es denkbar, daß das Fiasko der Gipfelkonferenz den Bemühungen um eine Annäherung zwischen den beiden europäischen Handelsgruppen neuen Impetus gibt.

Arbeitslose Arbeitsämter

Kaum sind die „schwarzen Bestände“ der Bonner Regierungskasse ausgegeben (und wahrlich nicht immer sinnvoll), da zeigt sich, daß in Nürnberg bei der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung die Überschüsse langsam, aber sicher auf die Rekordhöhe von 3,7 Milliarden DM angewachsen sind.

Das Commonwealth und der Gemeinsame Markt

Manche Anzeichen sprechen in letzter Zeit dafür, daß sich die britische Regierung – wohl unter dem Eindruck der amerikanischen Unterstützung für die EWG – mit dem Gemeinsamen Markt als einer Zollunion abzufinden bereit ist.

21 bauen ein Haus

Die 21 Architekten, die mit dem Neubau der veralteten OEEC (Europäischer Wirtschaftsrat) beauftragt worden sind, haben ihre erste Arbeitssitzung abgehalten.

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