Der ungewöhnlich hohe Zuwachs bei den Bausparkassen in den vergangenen Jahren erlaubte es diesen Instituten, ihren Bausparern relativ kurze Wartezeiten bieten zu können. Je mehr sich aber auch hier das Geschäft normalisiert, desto ernster wird das Problem der Wartezeiten, die nicht über eine gewisse Grenze hinausgehen dürfen, wenn die Bauwilligen bei der Stange bleiben sollen. Die zu den größten privaten Bausparkassen zählende Leonberger Bausparkasse AG (Leonberg bei Stuttgart) hat deshalb in weiser Voraussicht zum Ende des Geschäftsjahres 1959 auch das Depositengeschäft aufgenommen, um hierdurch ihre hohe Finanzierungsbereitschaft zu behalten.

Seit Mitte Dezember konnte sie bereits 250 000 DM Spargelder „sammeln“. In diesem, Jahr sollen nun zehn Beratungsstellen zu Annahmestellen für Spargelder umgebaut werden. Die Leonberger gerät damit allerdings auch in ein Dilemma, da sie mit diesem Geschäftszweig den Banken Konkurrenz macht, die ja die größten Fremdgeldlieferanten der Bausparkasse sind. Die Werbung für das Spargeschäft wird deshalb auch sehr zurückhaltend betrieben; man möchte Zeit für einen organischen Aufbau gewinnen.

Eine weitere und bis jetzt die bedeutendste Möglichkeit zur Verkürzung der Wartezeit bietet im Zusammenhang mit der immer schwerer werdenden Beschaffung von Bauland das Antragsverfahren, bei dem nur an die Bausparer zugeteilt wird, die bauen können und einen Antrag auf Zuteilung stellen. Hierdurch werden die sogenannten „Leerzuteilungen“ in engen Grenzen gehalten (1959 bei der Leonberger nur 3 v. H. der Gesamtzuteilungen) und die Bausparsummen der „latenten“ Zuteilungsanwärter bleiben als Finanzierungsreserve der Kasse erhalten. Bei der Leonberger sind diese stehengelassenen Bausparsummen (wegen Mangels an Bauland) im Jahr 1959 von 97,4 auf 128,3 Mill. DM gestiegen, bei einem von 2,5 auf 3,1 Mrd. DM Bausparsumme gewachsenen Vertragsbestand. In diesem Zusammenhang plädiert die Leonberger in ihrem Geschäftsbericht dafür, daß sich die Bausparkassen der veränderten Situation anpassen und künftig nicht mehr die Brutto-Zuteilungen, sondern nur noch die angenommenen Zuteilungen veröffentlichen sollten.

Die Neuzuteilungen der Leonberger sind 1959 weiter um 17 auf 212,8 Mill. DM gestiegen. Die gesamten Finanzierungsleistungen seit der Geldumstellung nahmen von 751,9 auf 966,5 Mill. DM zu. Die wieder höhere Zuteilung wurde durch den nochmals größeren Geldeingang ermöglicht. Das Spar- und Tilgungsaufkommen nahm stärker als 1958 um 26,2 (21) v. H. von 187,9 auf 237,2 Mill. DM zu, wobei sich das Bestreben nach vorzeitiger Tilgung noch verstärkt hat. Diese freiwilligen Mehrleistungen machten (1959) 27,3 v. H. des gesamten Tilgungsaufkommens aus, gegen 25,6 v. H. i. V. Der Vorstand der Leonberger wies dazu darauf hin, daß bei den Sparern der Wunsch nach einer schnellen Befreiung von der Schuldenlast immer größer werde und selbst die Ausnutzung steuerlicher Erleichterungen in den Hintergrund dränge. Solche Sondertilgungen könnten künftig ebenfalls zu einer Verkürzung der Wartezeit beitragen.

Das Neugeschäft ist nach dem starken Zuwachs im Jahr 1958 (um über 40 v. H.) nicht mehr so stark gestiegen. Die Neuabschlüsse wuchsen nur noch um 3 v. H., von 646,6 auf 665,7 Mill. DM Bausparsumme. In diesem Jahr haben sie zunächst wieder stark zugenommen, sind aber dann im April zurückgegangen, wohl – wie der Vorstand meint – im Zusammenhang mit der geplanten Verlängerung der Sperrfrist für steuerbegünstigte Bausparverträge auf acht Jahre. Die Leonberger setzt sich deshalb für einen Kompromiß von sechs Jahren ein. Im übrigen zeigt sich auch hier die Normalisierung: Die Kosten für die Neuabschlüsse werden durch höhere Aufwendungen für die Werbung und die Organisation teurer. Da die Kapitaldecke der Bausparkasse nicht mehr dem größeren Geschäftsumfang entspricht, ist zu erwarten, daß die Verwaltung in Kürze die noch ausstehenden Einlagen auf das AK in Höhe von 1,12 Mill. DM anfordern wird. – Auf das eingezahlte AK von 2 Mill. DM sollen wieder 12 v. H. Dividende verteilt werden. Die Rücklagen wurden auf 5,65 (4,30) Mill. DM verstärkt und eine Rückstellung für Zinszuschüsse von 0,60 Mill. DM neu gebildet. Mit Hilfe dieser Rückstellung sollen die zur künftigen Finanzierungsbereitschaft erforderlichen Fremdmittel den Bausparern zum tariflichen Darlehenszins von 5 v. H. zugeteilt werden. H. B-n.