DIE ZEIT

Das Recht, Eichmann zu richten

Hätte ein einzelner Jude Adolf Eichmann auf offener Straße niedergeschossen, der ganze Fall läge viel einfacher. Denn ein solcher Vendetta-Mord an dem Millionenmörder, verübt von einem der Hölle von Auschwitz Entronnenen – ein solcher privater Akt der Rache und Vergeltung hätte die ungeschriebenen Paragraphen sühnender historischer Gerechtigkeit für sich gehabt.

Eisenhower hat Mut

Der Wirrwarr der japanischen Demonstrationen gegen den amerikanischen Präsidenten

Krach im Kreml

Chruschtschow hatte Schwierigkeiten im Kreml – soviel hat die Prawda am Sonntag verraten. „Einige Leute“ hätten die Politik der Koexistenz als „Abweichung“ verdammt, teilte das Parteiblatt mit.

Artischocken-Revolte

der in einem Meer von Resignation versinkender Art. Davon machte auch der kürzliche eintägige Streik der Staatsbeamten kaum eine Ausnahme, der deshalb sozusagen „unsichtbar“ blieb, weil die öffentlichen Verkehrsbetriebe nicht mitstreikten (wohl um die ohnehin nicht besonders glückliche Demonstration der Beamten vor dem Finanzministerium nicht zu erschweren).

ZEITSPIEGEL

„Wollte man alle Chefs, die mit ihren jungen Angestellten Beziehungen unterhalten, einsperren, wäre es ratsam, über ganzen Industriegebieten die Tafeln ‚Wegen Betriebsstörung geschlossen‘ anzubringen.

Die eingegrabene Armee

Von der Philippinen-Hauptstadt Manila, der ersten Etappe seiner Fernost-Reise, fährt der amerikanische Präsident am Sonnabend an Bord des schweren Kreuzers „St.

Dresdener Krankheit

In der Sowjetzone ist am vergangenen Wochenende kräftig Kritik und Selbstkritik geübt worden. In Berlin, Magdeburg, Rostock und Dresden waren die SED-Delegierten zusammengekommen, um von „oben“ zu vernehmen, wie sehr noch alles im argen liegt: Da seien die Planrückstände, die Mängel in der Arbeit des Staatsapparates, vor allem aber die schweren Fehler und Unterlassungen in der „sozialistischen Bewußtseinsbildung“ – bis hin zum konterrevolutionären Verhalten.

Sorgen am Kongo

Die Belgier, die es schwierig fanden, eine komplette Verwaltung für ein Gebiet auf die Beine zu stellen, das 70mal so groß ist wie ihr Mutterland, hatten sich allenthalben der traditionellen Stammeshäuptlinge als lokaler Autorität bedient.

Der „Foxterrier“ der Labour Party

Immer offenkundiger ist es in den letzten Tagen geworden, das Englands Labour Party nur den einen Wunsch zu haben scheint, sich selbst zu zerfleischen.

Rufmord von Amts wegen

Das Landgericht München hat gegen den ehemaligen Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, Werner Friedmann, und den Schriftsteller Siegfried Sommer Anklage erhoben – wegen Kuppelei gegen Sommer, wegen Anstiftung zur Kuppelei gegen Friedmann.

Nordrhein-Westfalen: Fünf-sechs-sieben-hoppla

Der Text der Justizpressestelle ist nicht sehr prägnant: „... am siebten Juni... haben sich vierzehn Angeklagte, teilweise in der Öffentlichkeit nicht unbekannte Männer, wegen Kuppelei zu verantworten.

Gibt es Poesie-Automaten?

Wenn man der von den Technikern der IBM für teures Geld (sechs Millionen Dollar) entwickelten elektronischen Übersetzungsmaschine russische Zeitungslektüre vorwirft, so ist sie imstande, diese in ein rohes – allerdings: sehr rohes – Englisch umzusetzen.

Halbwegs erträgliche Zeiten

In der guten alten Zeit schlossen die Postämter samstags um 14 Uhr und öffneten montags um acht Uhr wieder ihre Schalter. Wir hatten uns bereits daran gewöhnt, da wollte die Eisenbahn auch nicht mehr rückständig bleiben und stellte am Wochenende den Zugverkehr ein.

Der Knüppel Vergangenheit

„Aber diese Arbeit muß Sie doch auch sehr befriedigen. Wir alle wollen doch nicht, daß zweifelhafte Elemente in einflußreiche Stellungen gelangen.

ZEITMOSAIK

Die Galavorstellung von Umberto Giordanos Oper „André Chénier“ mit Renata Tebaldi und Mario del Monaco wird Chruschtschow bei seinem Aufenthalt in Wien nicht besuchen.

Nr. 25 vom 22. Juni 1950: Vor zehn Jahren: das erste rororo-Taschenbuch

„Der Himmel segne Ihr robustes Gewissen und Ihre Monomanien“, hat der Hamburger Senatsdirektor Erich Lüth gratulierend an Rowohlt geschrieben, den Mann, der nicht immer alles wie vorgestern machen will und der überzeugt ist, nicht nur der Krise des Verlages, sondern auch des Büchergeschäfts gesteuert zu haben.

Literatur: Erklär mir, Liebe

Seit etwa drei Jahren trage ich, im Paß oder in der Brieftasche, einen Zeitungsausschnitt bei mir: das Gedicht „Erklär mir, Liebe“, das ich immer wieder von Zeit zu Zeit lese oder vor mich hinspreche.

Man darf wieder chronologisch schreiben

Die meisten bemerkenswerten Erzähler Amerikas, die in den fünfziger Jahren debütierten, schreiben nicht gerade modern. Gewiß bezweifelt niemand, daß der Perspektivenwechsel und das Assoziationsprinzip, die Rückblendetechnik und die Simultanität und manche andere Praktiken des Romans unseres Jahrhunderts höchst bedeutende Errungenschaften sind.

ZEIT-RAFFER

Nach einer Vorausschätzung desamerikanischen National Industrial Conference Board wird das US-Volkseinkommen im Jahre 1970 eine Höhe von 800 Mrd.

Die rote Ölflut steigt

„Wir werden euch begraben“, lautet ein Ausspruch des für seine derbe Offenheit bekannten Sowjetmachthabers Chruschtschow. Er hätte ebensogut sagen können: „Wir werden euch ersäufen“.

Soziale Unzufriedenheit in Frankreich

Wirtschaftskenner in Frankreich nehmen an, daß die Streiks in der Woche nach Pfingsten ihren Höhepunkt erreicht hatten und bald – im Hinblick auf die Sommerferien, die man auf keinem Fall wegen Geldmangels verpassen möchte – wieder abflauen werden.

Der Leser schreibt...

Zu dem Leserbrief von Hans H. Groesser, Margate (Natal S. C.), in Ihrer Ausgabe vom 13. Mai 1960, der Stellung nimmt zu Aufsätzen von Werner Schroeter: „Privateigentum blockiert“ in Nr.

Chruschtschow ante portas

Am 30. Juni wird der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow zum offiziellen Staatsbesuch in Wien eintreffen. Der Besuch dürfte etwa eine Woche dauern.

Was teuer ist, wird gekauft

Die Hausse an der Börse ist durch die Diskonterhöhung und die weiteren restriktiven Maßnahmen der Bundesbank nur vorübergehend aufgehalten worden.

Kapitalmarkt in Wartestellung

Die kreditpolitischen Maßnahmen des Zentralbankrates vom 2. Juni werden sich nur dann auswirken, wenn sie auch auf dem Kapitalmarkt durchschlagen.

Karstadt mit soliden Polstern

Auch das Jahr 1959 hat der Rudolph Karstadt AG (Essen) einen Ertrag beschert, der sich mit dem des Jahres 1958 gut messen kann.

Wen enttäuschte Schering?

Die Schering AG. (Berlin) hat noch niemals Anspruch darauf erhoben, mit den „drei Großen“ der deutschen chemischen Industrie als ebenbürtig verglichen zu werden.

Jute verkauft sich schlecht

Der von der Vereinigten Jute-Spinnereien und Webereien. AG (Hamburg) 1959 erhielte Gewinn, der im wesentlichen auf die Veräußerung des Werkes Billstedt beruht, reichte nicht aus, um den Verlustvortrag des Vorjahres voll zu decken.

Edeka expandiert

Im Geschäftsjahr 1959 hat die Edeka, der größte genossenschaftliche Zusammenschluß mittelständischer Lebensmittel-Einzelhandelskaufleute,in allen Bereichen ihrer Betätigung gute Fortschritte gemacht.

Erdöl-Frisia beginnt im August

Bereits im August dieses Jahres, also drei Monate früher als ursprünglich vorgesehen, wird die Emdener Raffinerie der Erdölwerke Frisia AG die Produktion aufnehmen, zunächst mit etwa 50 v.

Salamander produzierte weniger

Die zwei Seiten der Hochkonjunktur – hier vermehrter Absatz, dort Produktionserschwerung durch Arbeitermangel – hat im vergangenen Jahr die Salamander AG (Kornwestheim) im besonderem Maß zu spüren bekommen.

Unilever tauscht ‚Nordsee‘

Die Unilever N. V. (Rotterdam) beabsichtigt, den Inhabern von Stamm- und Vorzugsaktien der „Nordsee“ Deutsche Hochseefischerei AG (Bremerhaven) in Kürze einen Aktientausch vorzuschlagen.

Olympia zahlt wieder 12 v.H.

Im internationalen Büromaschinengeschäft wird der Wettbewerb schärfer, obwohl die Nachfrage weiter steigt und die Zahl der tonangebenden Firmen in der westlichen Welt auf weniger als ein Dutzend zusammengeschrumpft ist.

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