Der mißbilligende Blick des Aufsehers genügte, um dem Museumsbesucher zu bedeuten, daß an diesem Ort das Rauchen verboten sei. Der Ermahnte drückte also seine Zigarette aus, bevor er die Ausstellung "Tabak und Rauchkultur in Hamburg und fernen Ländern" betrat.

Diese an verblüffenden Kuriositäten reiche Schau im Museum für Himburgische Geschichte illustriert – zum erstenmal in Deutschland – die Historie des Rauchens, und man erfährt auch, daß dieses Verbum erst lange, nachdem Kolumbus die Kunde von solchen Genüssen nach Europa getragen hatte, entstanden ist. Man bemühte damals noch die Worte "Tabak trinken", "schlucken", "schlürfen". In jener Zeit bot auch noch der Apotheker das wundersame Kran feil, von dem es hieß, es helfe allen, insonderheit denen, "so Stockfisch, Erbsen, Linsen und dergleichen unverdauliche Speisen nicht ausarbeiten können". Zuerst hielt man sich an die Bräuche der amerikanischen Ureinwohner und an den Rat des "Großen Manitou": "...wo einer die Friedenspfeife raucht, muß der Tomahawk ruhen." Man rauchte Pfeife und hatte einen Genuß, dessen Schilderung "ein ganzes Buch füllen würde. Der französische Diplomat Jean Nicot (1530–1600) schätzte die Heilvirkung des Tabaks, vor allem auf die Migräne. Er pulverisierte die Tabakblätter und empfahl seiner Königin Katharina von Medici, den Staub zu schnupfen. Der Alte Fritz würzte mit dem Pulver sogar seinen Kaffee, den er mit Champagner aufbrühen ließ: "Das ist gut vor den Schlagfluß und gut für’s Gedächtnis". Lange vorher, ums Jahr 1541, rollte der Portugiese Demetrio Pela die erste Zigarre, und die erste Frau, die so kühn war, öffentlich zu rauchen, nannte sich George Sand.

Eine neue Art zu rauchen führten Soldaten in der Mitte des vorigen Jahrhunderts aus der Türke und aus Rußland ein: Sie hüllten feingeschnittenen Tabak in Papier und rauchten ihn als "Zigarette". Die "Lüsternheits-Ware" – vom Staats- und Kammer-Philosophen Joseph von Sonnenfels Ende des 18. Jahrhunderts so geheißen – verlor nach und nach ihre Exklusivität und ihre Anrüchigkeit, und in unseren Tagen begegnet man den Nachrichten über einen neuen Rekordverbrauch mit Gleichmut. Nur die Ärzte finden Interesse, wenn sie gelegentlich zu wissen glauben, der Tabak sei keine Arznei, sondern ein schädliches Kraut, gegen das kein Kraut gewachsen zu sein scheint: man raucht weiter.

Selbst die modernen Seeleute haben sich inzwischen das Rauchen an- und das Kauen abgewöhnt. In dem von der Zigarettenfirma Reemtsma zum 50. Jahrestag ihrer Gründung jetzt herausgegebenen Bilderbuch – auf ihre Sammlung gründet sich auch die Museumsausstellung – heißt es indes: "Seemänner sagen: Nur kräftiger Priem gibt kräftige Spucke. Denn diese ist es, worauf es den Seemännern ankommt. Fast alle Seemannsarbeit wird mit Spucke getan. Spucken aber verschafft dem, der Kautabak kaut, jenen großen Genuß, den sonst nur das Fluchen bereitet!" m. s