Mit Befriedigung habe ich gelesen, daß ein Historiker vom Range Percy E. Schramms immer nur vom Zweiten und nie vom zweiten Weltkrieg schreibt.

Karl Kraus hätte entschiedener, als unsereiner sich heute noch traut, nachgewiesen, daß hinter einer Kleinschreibung wie hinter einem Komma ein ganzes Weltbild sichtbar: werden kann – für Leute, welche ihre Sprache bewußt gebrauchen. Auch das spricht gegen die von übereifrigen Reformern vorgeschlagene Abschaffung der Großbuchstaben.

Pedanterie? Im Gegenteil: Der Duden, dieses vorzügliche und unersetzbare Nachschlagewerk, das nur dadurch in Mißkredit geraten ist, daß es zur Bibel der Pedanten wurde, führt den Zweiten Weltkrieg noch nicht (und auch nicht den Ersten). Weswegen denn Autoren und Redakteure von dudentreuen Druckereien ihren Zweiten Weltkrieg immer wieder in zweiten Weltkrieg verschlimmbessert finden werden.

Der Unterschied wird, auch bei verständiger Lektüre des Duden übrigens, klar genug: Betrachte ich jeden der Weltkriege als ein einmaliges historisches Ereignis, so verlangt das Muster "Dreißigjähriger Krieg" auch: Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg. Der erste und der zweite Weltkrieg hingegen bedeuten: Wir leben nun mal in der Zeit der Weltkriege, und um die auseinanderzuhalten, numerieren wir: erster, zweiter, dritter...

Deswegen ziehen wir die Schreibung Zweiter Weltkrieg vor – wenn immer es uns gelingt, uns gegen Drucker und Korrektoren durchzusetzen.

Leo