Nun ist wieder die Butter dran

Kaum glaubte das Bundesernährungsministerium, den Entrüstungssturm der Verbraucher über die Panne mit den Frühkartoffeln überstanden zu haben, da geriet es schon wieder unter Beschuß, und zwar wegen der Buttervorratshaltung. Man wirft dem Ministerium vor, hier des Guten zuviel getan und mit überzähligen Einfuhrlizenzen einen Butterberg von rund 40 000 t aufgetürmt zu haben, der jetzt auf Kosten des Steuerzahlers – und des Wohlgeschmacks – mühsam wieder abgebaut werden müsse.

Nun – besser zuviel als zuwenig Butter. Die Butterpreisaffäre im vergangenen Spätherbst war eine Warnung; die Ernährungsbeamten haben jedenfalls für dieses Jahr besser vorgesorgt. Bei der Einfuhr- und Vorratsstelle für Fette lagern gegenwärtig 35 700 t Butter – ohne Berlin-Reserve und ohne durchlaufende Bestände; das ist genau der Inlandbedarf für einen Monat. Bestimmt nicht zuviel, wenn man bedenkt, daß im Herbst des Vorjahres die damals eingelagerte Menge von 14 500 t sehr schnell aufgebraucht war, als infolge der Trockenheit die eigene Buttererzeugung etwas zurückging, und aus dem gleichen Grund aus dem Ausland nur unzureichende Mengen hereinkamen.

Damals wurde das Bonner Ernährungsministerium heftig angegriffen, weil es nicht vorgesorgt und zuwenig importiert habe; heute wird es von Übereifrigen getadelt, weil es zu gut vorgesorgt und zuviel eingelagert habe. Es war jedenfalls der deutsche Bundestag, der am 5. November 1959 beschloß, den Butterzoll auszusetzen, um die Importe anzuregen und wieder mehr Butter auf den deutschen Markt zu bringen. Mit Erfolg, wie sich bald zeigte.

Bereits in der zweiten Dezemberhälfte konnten die Vorratsstellen wieder mit der Einlagerung von Reserven beginnen. Mit etwas über 9000 t ging man in das neue Jahr. Darauf hielten sich Inlandserzeugung und -verbrauch eine Weile die Waage, bis dann die Butterproduktion stark zunahm und zu einem Überschuß führte; rund 10 000 t gingen in die Lagerhäuser. Bereits Anfang Juni setzte der übliche Rückgang ein, der bis zum nächsten Frühjahr dauern wird.

Dieser Überschuß, zusammen mit den Einfuhren, ergab den sogenannten Butterberg, den die Einfuhr- und Vorratsstelle jetzt langsam abbauen will.

Der Abgabepreis für das Kilo gelagerter "Molkerei-Butter" wird von 5,40 DM auf 5,20 DM herabgesetzt; der Verbraucherpreis dürfte damit bei 6,– DM liegen. Frische "Deutsche Markenbutter" dagegen kostet gegenwärtig etwa 6,40 DM. Das sind Butterpreise, so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Gewiß ist dabei ein gut Teil "Optik". Es müssen auch die nicht unerheblichen Kosten der Vorratshaltung, die ja der Verbraucher über seine Steuern finanzieren muß, und die Qualitätseinbuße berücksichtigt werden. Aber solange man nicht gewillt ist, auch bei der Butter den Markt spielen zu lassen und dem Verbraucher schwankende Saisonpreise zuzumuten, muß man an dieser Form der Marktordnung festhalten und mit den Vorteilen auch die Nachteile in Kauf nehmen, sl.