DK – Karlsruhe

Ein Mann, der kein Obdach hatte, begab sich zur Polizei und teilte dort mit, er habe mit Hilfe von Nachschlüsseln mehrfach fremde abgestellte Autos unbefugt geöfffnet und darin übernachtet. Nach dieser Mitteilung war er der Sorge um Obdach enthoben. Er wurde in Haft genommen.

Der Mann, ein Arbeiter aus dem Ruhrgebiet, hatte schon einige Erfahrung darin, wie man mit den Gesetzen in Konflikt gerät. Er war erheblich vorbestraft. Er glaubte zu wissen, daß strafbar ist, was man nicht tun darf. Aber in diesem Punkt war der erfahrene Mann nun eben doch unerfahren.

Nicht, daß unser Mann etwa gemeint hätte, es wäre erlaubt, fremde Wagen zu öffnen und darin zu schlafen. Gerade, weil er es für etwas Strafbares hielt, war er zur Polizei gegangen und hatte behauptet, das getan zu haben. Es war ihm nämlich allein um das Obdach im Kittchen zu tun – und dieses Ziel hatte er ja erreicht. Daß er nicht wirklich getan hatte, wessen er sich bezichtigte, das allerdings stellte sich erst später heraus, als ihm um Unterkunft nicht mehr bange zu sein brauchte, weil ihm – wegen eines inzwischen entdeckten Rückfalldiebstahls – sowieso sicheres Obdach garantiert war.

Möglicherweise hatte er sogar gewußt, daß man der Kriminalpolizei oder dem Untersuchungsrichter nicht Straftaten bekennen darf, die man nicht begangen hat. Er wird in dem sicheren Bewußtsein zur Polizei gegangen sein, daß man es einem Mann wie ihm schon zutrauen werde, so etwas getan zu haben. Was sich als richtig erwies.

Sein Irrtum lag anderswo – ein Irrtum, dem sogar die Herren am Richtertisch zum Opfer fielen.

Hatte der Mann denn eigentlich eine Straftat vorgetäuscht? War das, was getan zu haben er vortäuschte, denn wirklich strafbar?