Die Ilseder Hütte AG (Peine) hat sich 1959 offenbar etwas schwerer getan als die Konkurrenzunternehmen an der Ruhr. Obwohl die Stahlflaute nur das erste Quartal beeinträchtigte, beibt das Ergebnis doch hinter dem zurück, was eine Reihe der zum 30. September bilanzierenlen Ruhrgesellschaften erzielt hat.

Im Geschäftsbericht Ist die Rede von Erlösschmälerungen, vor allem im Export, dessen Anteil mit 21,5 (20) vH überdurchschnittlich hoch war. Dafür hat es keinen Ausgleich durch entsprechende Kostensenkungen gegeben, die das Erfolgsgeheimnis der Ruhrhütten waren. Zum Teil ist dies allerdings wohl eine: Frage der internen Verrechnung. Das Hochofenwerk hat nämlich Kohlen und Koks von seiner Zeche (Friedrich der Große in Herne) zu Listenpreisen übernommen. Wie Vorstandsmitglied Dr. Kurt Rasch vor der Presse erläuterte, liegen die Listenpreise gegenwärtig um reichlich 12 vH über den Preisen, die von der zuständigen Ruhrkohlenverkaufsgesell- schaft vergütet werden. So kam die Zeche zu einem bescheidenen Gewinn von 0,25 Mill. DM, sie hat allerdings noch weitere 2,6 Mill. DM erwirtschaftet, die zur Bildung einer Rückstellung (für den Anteil am Verlust der Notgemeinschaft Deutscher Kohlenbergbau aus Ablösung amerikanischer Importverträge) verwendet wurden.

Während es bei der Kohle relativ gleichgültig ist, ob man den Gewinn bei der Stahlerzeugung oder beim Bergbau entstehen läßt, sieht es beim Er? ein wenig anders aus. Das heimische Erz – Basis der Roheisenerzeugung in Ilsede und jahrelang billiger als die Importe aus dem Ausland – hat seinen Preisvorsprung eingebüßt. Im Ausland wird billiger gefördert, hinzu kommen die extrem niedrigen Frachtraten. Das alles hat der Ruhr gut getan, nicht aber der Ilseder Hütte, zumal deren Erzbergbau noch darunter litt, daß ihre Erze einen geringeren Eisengehalt hatten als in den Vorjahren.

Wenn dennoch der HV eine Dividende von unverändert 9 vH gezahlt wird, so unter anderem deshalb, weil aus der nahezu hundertprozentigen Tochtergesellschaft IHAG, die Industrie- und Handels-AG. (Peine), die den Handel und die Weiterverarbeitung als Zwischenholding kontrolliert, nicht nur die Dividende für das Geschäftsjahr 1957/58, sondern – im Rahmen des neu abgeschlossenen Organschaftsvertrages – auch der Gewinn aus dem Geschäftsjahr 1958/59 zugeflossen ist.

Ein Vergleich der Umsatzzahlen ist nicht ohne weiteres möglich, durch den Erwerb, der Stahlhandelsgesellschaft Gebr. Bierlein KG. (Manchen) durch die IHAG haben sich Verschiebungen ergeben. Erfreulicherweise hat die stets um eine gute Publizität bemühte Verwaltung die Zahlen jedoch vergleichbar gemacht. Dem Konzernumsatz in Fremde, der (alles in Mill. DM) 494 erreichte, hätte 1958, Bierlein ein gerechnet, 458 entsprochen. Davon entfielen 265 (252) auf die Ilseder Hütte und 229 (206) auf die IHAG-Gruppe.

Nach dem Abschluß des alten Investitionsprogramms (mit der neuen Universalträgerstraße) tritt die Ilseder Hütte in eine weitere Investitionsphase ein. Wahrscheinlich wird ein LD-AC-Stahlwerk gebaut, das zunächst eine Kapazität von 400 000 t haben und einen Teil der alten Stahl Werksanlagen ersetzen soll. Der Aufwand für das Programm, das von 1960 bis 1964 laufen soll, wurde noch nicht genannt; die früher einmal genannten 150 bis 200 Mill. DM dürften jedenfalls zu niedrig sein; bei jährlichen Abschreibungen von 50 Mill. DM, mit denen man in Zukunft rechnet, wird diese Summe schon überschritten. Daneben will man weitere Fremdmittel aufnehmen und wahrscheinlich auch eine Kapitalerhöhung durchführen.

Die Rücklagen sind mit 179,5 (183,7) allerdings recht kräftig dotiert; es muß also an der Einschätzung der zukünftigen Ertragskraft liegen, wenn von den gesetzlichen Möglichkeiten kein voller Gebrauch gemacht wird. Nach 52,6 Zugängen, 2,8 Abgängen und 50,5 Abschreibungen blieb das Anlagevermögen mit 434,4 (435,1) praktisch unverändert. Dagegen erhöht sich das Umlaufvermögen auf 199,5 (172,8), bedingt durch die Zunahme der Vorräte auf 104,4 (94,7) und der Warenforderungen auf 63,7 (43,8). Noch stärker stiegen die Verbindlichkeiten auf 196,0 (165,3), von denen rund 80 (58) langfristig sind. Der ausgewiesene Reingewinn von 12,7 Mill. entspricht bis auf einen bescheidenen Rest dem Dividendenerfordernis.

G. H.