J. K., Paris

Eine Warnung an die europäische Investitionsgüterindustrien, durch erhöhte technische und finanzielle Anstrengungen ihren bisher in den industriellen Entwicklungsländern eingenommenen Marktanteil zu sichern, veröffentlicht der Investitionsgüter-Ausschuß der OEEC in einer Studie über die Nachfrageentwicklung nach mechanischen und elektrischen Produkten in den lateinamerikanischen Staaten und Indien.

Die Warnung ist ebenso an die europäischen Regierungen wie an die Industrieunternehmen gerichtet; denn die weitere Entwicklung der Investitionsgüter-Lieferungen an die "weniger industrialisierten Staaten", wie der Bericht sich ausdrückt, ist vor allem eine Finanzierungsfrage. Diese Länder, die ihre relativ geringen Devisenvorräte auf lange Zeit hinaus in erster Linie für die Beschaffung von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und industriellen Halbfabrikaten verwenden müssen, brauchen vor allem langfristige Kredite zu niedrigen Zinsbedingungen.

Der Bericht weist darauf hin, daß die Exporterfolge der Sowjetblockstaaten und Japans in diesen Ländern nicht nur durch niedrige Preise, sondern auch durch sehr vorteilhafte Kreditbedingungen erzielt werden konnten. Die Kreditdauer ist länger, die Verzinsung (bei Sowjetlieferungen) zu 2,5 vH weit niedriger, als sie die westlichen Industrieländer bieten. Die Sowjets akzeptieren oft Zahlungen in lokaler Währung oder vereinbaren Tauschabkommen. In den lateinamerikanischen Staaten bilden die Amerikaner, aber auch die Sowjets eine starke Konkurrenz für die europäischen Investitionsgüter-Industrien; in Indien vor allem die Japaner, aber auch die Sowjets. Daneben beginnt auch der mehr oder weniger rasche Aufbau eigener Investitionsgüter-Industrien, den Marktanteil der europäischen Industrien in diesen Ländern einzuengen.

Die lokalen Industrien stellen in mehreren südamerikanischen Ländern und in Indien eine nicht zu verachtende Konkurrenz für die europäischen Unternehmen dar. In Indien zum Beispiel hat, den OEEC-Experten zufolge, die lokale Produktion im Jahr 1958 rd. 40 vH der Nachfrage nach Investitionsgütern gedeckt, bei Transportmaterial sogar 65 vH. In ganz Südamerika betrug der Anteil der Investitionsgüter-Einfuhren an den Gesamtinvestitionen im Jahre 1957 nur noch 50 vH, in Brasilien allein 35 vH, in Argentinien allein sogar noch 25 vH.

Statistik der Sowjetunion

Im Rahmen seiner Reihe "Allgemeine Statistik des Auslandes" hat das Statistische Bundesamt unlängst einen Länderbericht über die Sowjetunion veröffentlicht. Der reichhaltige und auf den neuesten sowjetischen Angaben beruhende Tabellenteil enthält eine Fülle von Materialien und wird sich für jeden, der sich, ohne der russischen Sprache mächtig zu sein, mit dem Studium der Sowjetunion befassen will, als unentbehrliches Hilfsmittel erweisen. Der mit dem Sowjetsystem wenig vertraute Leser wird vor allem auch den allgemeinen Teil des Berichts über den staatlichen Aufbau und die Wirtschaftsordnung der Sowjetunion und den speziellen Teil über die Entwicklung einzelner Bereiche schätzen. Eine sorgfältige Lektüre dieser Texte wird ihn vor allzu groben Fehldeutungen der russischen Quellen bewahren, die bekanntlich vielfach andere statistische Begriffe verwenden, als sie im Westen üblich sind. R. S.