Die Mannesmann AG, Düsseldorf, gehört zu den wenigen Montangesellschaften, deren Geschäftsjahr mit dem Kalenderjahr zusammenfällt. Das ist für 1959 von besonderer Bedeutung, weil dadurch nur ein Viertel des Jahres in die Stahlflaute gefallen ist, gegenüber einer vollen Hälfte bei den Unternehmen, die zum 30. September abschließen. Deshalb rechnete die Börse schon recht frühzeitig mit einer überdurchschnittlichen Dividendenanhebung, und der Beschluß, der Hauptversammlung am 15. Juli 12 (10) Prozent Dividende auf 580 Mill. DM Grundkapital vorzuschlagen, hat diese Erwartungen bestätigt.

Bei der Vorjahresdividende von 10 Prozent hatte die Verwaltung erklärt, diese sei ohne Schwierigkeiten, aber auch ohne Reserven verdient worden. Von "ohne Reserven" kann diesmal wohl nicht die Rede sein, die gute Konjunktur, die das Mannesmanngeschäft begünstigt hat, führte zu entsprechend guten Ergebnissen. Allerdings ist es nicht ganz leicht, solche Ergebnisverbesserungen an Hand der vorgelegten Ertragsrechnung nachzuweisen. Der Aufwand für ertragsabhängige Steuern – trotz vieler Vorbehalte immer noch das für den Außenstehenden beste Merkmal zur Beurteilung der Ertragslage – ist nur auf 78,69 (74,69) Millionen DM gestiegen, also weit weniger stark als der Reingewinn, der mit 70,58 (58,75) Mill. ausgewiesen wird. Das ist der konsolidierte Steueraufwand, für den aber die Anmerkungen gelten, die zum Steueraufwand der Kerngesellschaft gemacht werden. Und da heißt es recht global: "Der Aufwand für Steuern vom Ertrag und Vermögen erhöhte sich einerseits durch die Steuer für aufgelöste besondere Rücklagen und Rückstellungen vergangener Jahre, andererseits verminderte er sich durch die Auswirkungen der Umwandlung." Man ist kaum klüger, wenn man diesen Satz gelesen hat.

"Anständige" Dividende

Halten wir uns also lieber daran, daß selbst die zum 30. September bilanzierenden Gesellschaften des Montanbereichs gut verdient haben und daß die Mannesmann-Verwaltung bisher keinen Anlaß zu der Vermutung gegeben hat, sie sei weniger tüchtig als andere. Schließlich kann man noch feststellen, daß ein Satz von 12 Prozent für ein Montanunternehmen, auch wenn es so weit in die Weiterverarbeitung eingedrungen ist wie Mannesmann, als "anständig" zu bezeichnen ist. Immerhin läßt sich nicht übersehen, daß Mannesmann einen kräftigen "Kohlenklotz" am Bein hat – einmal weil die Förderung weit über den Bedarf des Konzerns hinausgeht, und zum anderen, weil die Mannesmann-Zechen nicht gerade zu den besten des Reviers zählen.

Der Umsatz des Konzerns ist gegenüber 1958 um 5,2 Prozent gestiegen. Der Gesamtumsatz von Produktion und Handel erreichte 3 604 (3 315) Mill. DM, nach Abzug der Konzernumsätze ergibt sich ein Fremdumsatz von 2 739 (2 603) Mill. DM, von dem 2 206 (2 085) Mill. DM auf die Produktionsgesellschaften entfallen und 533 (518) Mill. DM auf den Handel. Nimmt man den Fremdumsatz der ausländischen Tochtergesellschaften von 201 Mill. DM, dann ergibt sich für die Mannesmanngruppe ein Gesamtfremdumsatz von 2 940 Mill. DM, die 3-Milliarden-Grenze ist also in greifbare Nähe gerückt.

Eine dieser ominösen Grenzen ist im Berichtsjahr überschritten worden: die Röhrenerzeugung lag zum erstenmal in der Geschichte des Unternehmens über 1 Mill. Tonnen. Es bedurfte allerdings des Kunstgriffs, die ausländischen Tochtergesellschaften einzubeziehen, denn im Inland wurden einschließich der Röhrenwerke Bous/Saar GmbH. 936 300 t produziert, hinzu kamen aber die bei den ausländischen Tochtergesellschaften in Kanada, Brasilien und der Türkei erzeugten 147 000 t.

Aus der Bilanz