Die Beziehungslosigkeit des Museumsstückes zur Umgebung ist den meisten Werken Henry Moores völlig fremd. Nicht nur, daß sie den Raum füllen und auch Raum einbeziehen, umgreifen, überwölben und umlagern; daß sie Mulden, Löcher, Schründe, Durchblicke und – zum Beispiel bei den Plastiken, die zugleich "innere und äußere Form" sind – die geheimnisvolle und dämmerige Existenz von Höhlen dienstbar zu machen scheinen – die Plastiken Moores sind oft, wie etwa die berühmte Gruppe "King and Queen", auf die Landschaft bezogen, sind elementare, urwelthafte Zwiesprache mit dem Terrain.

Wie ist es dann möglich, daß solche Plastiken eingesperrt werden können in Museumsräume – wie gerade im Altbau der Hamburger Kunsthalle (der um die Gründerzeit herum entstanden ist)? Es ist erstaunlich, wie lebendig die Plastiken in dieser Ausstellung des Hamburger Kunstvereins wirken. Freilich, hier wurde endlich ein Prinzip beachtet, das heute in zahllosen anderen Ausstellungen – vielleicht zuweilen notgedrungen – mißachtet wird: Die Werke wurden nicht aufeinandergepfercht, ihnen wurde viel Raum gegönnt. Das ist es, was dieser Ausstellung den Charakter des Ungewöhnlichen, des Vorbildlichen gibt. Professor Alfred Hentzen, der die Ausstellung solchermaßen aufgebaut hat, hatte freilich als Berater einen Mann von nicht zu bestreitender Kennerschaft: Henry Moore selber. R. D.