Die 29. Internationale Posener Messe, welche vom 12. bis 26. Juni unter Beteiligung von 56 Nationen stattfand, ist bisher die erfolgreichste polnische Nachkriegsmesse gewesen. Das lag nicht zuletzt daran, daß sich die ausländischen Aussteller in den letzten Jahren über den polnischen Markt genau orientiert haben und diesmal nicht mehr mit Waren nach Posen kamen, die beim besten Willen in Polen nicht abzusetzen sind. Andererseits hat sich aber auch die polnische Wirtschaft seit 1957 stetig aufwärts entwickelt. Die guten Geschäftsabschlüsse auf der Posener Messe deuten jedenfalls darauf hin, daß Polens schlechteste Zeit nach dem Kriege endgültig überwunden sein dürfte.

Der größte Auslandsaussteller dieser Messe war die Bundesrepublik. Auf dem Gebiet der Wirtschaft ist es um die deutsch-polnischen Beziehungen offenbar weitaus besser bestellt als in der Politik. Welche bedeutende Rolle die westdeutsche Großindustrie der diesjährigen Posener Messe beimaß, geht schon daraus hervor, daß neben dem Generalbevollmächtigten der Krupp-Werke, Beitz, auch die anderen 229 westdeutschen Firmen bekannte Vertreter zur Messe entsandten. Mannesmann, Ruhrstahl, MAN, AEG, Siemens und Hoesch waren zudem in Posen schon alte Bekannte. Ebenso ging es der Hamburger Industrie, die mit rund 24 vH am Außenhandel der Bundesrepublik mit Polen beteiligt ist. Daß vornehmlich die westdeutsche Stahl- und Elektroindustrie sowie die Chemie vertreten waren, paßte gut, da die westliche Konsumgüterindustrie zur Zeit fast keine Absatzmöglichkeiten in Polen findet.

Im deutsch-polnischen Handel besteht zur Zeit ein polnischer Aktivsaldo von 40 Mill. Mark, so daß Polen diesmal viele Bestellungen aufgeben konnte. Außerdem steht der Beginn des polnischen Siebenjahrplanes bevor, der 1961 anläuft. Obwohl für den Bau der Pipeline auf polnischem Territorium bis nach Schwedt die Aufträge für die Rohrlieferungen bereits vergeben sind, werden noch Pumpeneinrichtungen benötigt, die teilweise von Ruhrstahl geliefert werden. Auch Teillieferungen für den Bau von Kraftwerker werden Firmen der Bundesrepublik ausführen

Daß Polen kein reiner Agrarstaat mehr ist, sondern bereits, nicht allein auf dem Textilsektor über eine leistungsfähige Industrie verfügt, beweisen die Exportabschlüsse in Fahrrädern und Nähmaschinen nach Frankreich. Die Schweiz bezieht die bekannten polnischen Segelflugzeuge, während Bordgeräte aus polnischer Produktion sogar nach den USA, Kanada, England und Schweden verkauft werden. H. L.