Die zentralen Verhandlungen zwischen den Arbeitgeberverbänden der Metallindustrie und der IG-Metall über ein neues Arbeitszeitabkommen wurden in der vergangenen Woche ohne Ergebnis abgebrochen. Die Gewerkschaften hatten das Sodener Abkommen, das eine Wochenarbeitszeit von 44 Stunden vorsieht, im Frühjahr zu Ende Juni gekündigt; sie forderten eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit auf 42 Stunden ab 1. Juli mit vollem Lohnausgleich. Gleichzeitig ließen sie aber auch durchblicken, daß sie von diesen Forderungen zugunsten eines Planes, der in mehreren Jahren zur 40-Stunden-Woche führt, abgehen würden.

Die Arbeitgeber erblickten darin eine Chance für eine konstruktive Lösung. Sie schlugen einen Stufenplan vor, der am 1. Januar 1962 beginnen und in mehreren Etappen am 1. Juli 1966 in der 40-Stunden-Woche enden sollte. Die Metallindustrie war sich im klaren darüber, daß ein solch langfristiger Plan nicht ohne Risiko war. Es konnte nach ihrer Meinung nur übernommen werden, wenn das Abkommen auf einer gemeinsamen Auffassung der Tarifparteien über die wirtschaftliche Zielsetzung beruhte. Um ein solches Fundament zu schaffen, formulierten die Arbeitgeber eine Präambel, in der vor allem festgelegt wurde, daß trotz Arbeitszeitverkürzungen nach Möglichkeit die bisherigen Zuwachsraten auch weiterhin erreicht werden sollten, da die Expansion die Voraussetzung für jede Arbeitszeitverkürzung ist.

An sich ist es verständlich, daß die Arbeitgeber bei einem sich auf mehrere Jahre erstreckenden Abkommen sichergestellt sehen wollen, daß die Durchführung des Vertrages nicht mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten kollidiert. Niemand kann heute schon sagen, was in vier oder sechs Jahren sein wird. Aber das ist nicht allein der Grund dafür, daß die Verhandlungen scheiterten. Er ist vielmehr vor allem in der erwähnten Präambel zu suchen. Die Arbeitgeberverbände haben mit ihr etwas von den Gewerkschaften verlangt, was diese ihnen nie zugestanden haben, nämlich die Schaffung einer gemeinsamen ideologischen Basis für tarifpolitische Entscheidungen.

Im Grunde genommen ist die IG-Metall sozialistisch; sie will das Gesellschaftsbild nach sozialistischen Vorstellungen formen. Deshalb sind vertragliche Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften zunächst nur in beschränktem Rahmen möglich. Es war ein Fehler der Arbeitgeber, mit der vorgeschlagenen und ins Grundsätzliche gehenden Präambel ein Ziel anzusteuern, das in weiter Zukunft liegt. Das mußte bei so erfahrenen Verhandlungspartnern wie Spitzenfunktionären der Gewerkschaft schiefgehen. Diese schoben mit der Präambel auch den Arbeitszeitvertrag beiseite und legten eigene Vorschläge auf den Tisch, die praktisch nichts anderes enthalten, als einen Fahrplan für die Einführung der 40-Stunden-Woche innerhalb von vier Jahren. Den einzigen Anklang einer Konzession stellte eine Erklärung dar, nach der die IG-Metall ihre Bereitschaft zeigte, in den Jahren, in denen Arbeitszeitverkürzung und Lohnforderungen zusammentreffen, die materiellen Auswirkungen beider Prozeduren zu berücksichtigen.

Es wird nun auf Bezirksebene über neue Arbeitszeitabkommen verhandelt werden. Die Gewerkschaften wollen ihre Forderung mit allen Mitteln durchsetzen. W. R.