Sommer, Sonne, süße Zeit der sorgloseren Tage – eine Zeit, in der auch gelesen wird, gewiß: aber planloser, unbekümmerter wohl als sonst. Da haben es "Spitzenreiter" schwer, sich bemerkbar zu machen. Man hätte Unterhaltungsliteratur erwartet. Nun ja, als "Unterhaltungsliteratur" lassen sich die bestverkauften Bücher des Monats Juni schon auch bezeichnen, aber drei oder vier von den fünf bedürfen dabei doch wohl des Zusatzes "gehobene".

Wir glauben nicht, daß solche Neigung zu gehobenem Geschmack auf die Auslese unserer Vertrauens-Buchhändler zurückgeführt werden müßte. Die berichten uns, streng und sachlich, was verlangt und verkauft wurde, nicht: was ihnen selber am besten gefällt. Aus 15 Buchhandlungen wurden dabei etwa 50 Titel genannt – doch nur wenige kehrten mehr als dreimal wieder: eben die hier aufgeführten. Dazu Carl Jakob Burckhardts "Danziger Mission", das Spitzenbuch des letzten Monats, das Sie nebenstehend von dem Göttinger Historiker, Professor Dr. Percy Ernst Schramm, besprochen finden.

Warum, so werden wir oft gefragt, und in diesen warmen Sommermonaten mit besonderem Recht: warum also findet leichtere Unterhaltungslektüre so selten einen Platz auf dem Seller-Teller? Ist das vielleicht ein Zeichen für literarischen Snobismus der ZEIT?

Möglich. Ich glaub’s nicht. Denn auf jeden Fall hält sich die Redaktion der ZEIT streng an die Meldungen der Buchhändler. Wir verachten die leichtere Unterhaltungslektüre gewiß nicht. Einzelne Bücher dieses Genres treten, denke ich, deswegen weniger hervor: weil sie austauschbar sind, weil die vorzüglich an Kiosken befriedigte Nachfrage auf einen Buch-Typ gerichtet ist und nur selten auf das bestimmte Werk eines bestimmten Autors. Nur bestimmte Werke bestimmter Autoren jedoch sind nach dem Prinzip des Seller-Tellers statistisch zu erfassen. Was niemanden davon abhalten sollte, zur Abwechslung auch mal was Leichteres zu lesen... – Leo