Eine Umfrage von Heinz Michaels

"Die hohen Kartoffelpreise haben die Bevölkerung mehr als die fünfzehnprozentige Mieterhöhung für Altbauten geärgert", meint der Direktor des Deutschen Mieterbundes, Berthold Gramse, zu dem Plan des Bundeswohnungsbauministers Lücke, der stufenweise den Übergang von der Wohnraumbewirtschaftung zum freien Wohnungsmarkt vorsieht. Viele Gespräche, die wir über das neue Gesetz führten, ließen das gleiche Urteil zu: Die Mieterhöhung bringt keine soziale Unruhe. Differenzen gibt es dagegen über die Ertragslage des Altbaubesitzes. Nach Ansicht des Mieterbundes kommt der Hausbesitz mit der zweiten Mieterhöhung in die "Spekulationszone".

Das Haus in der Kedenburgstraße in Hamburg-Wandsbek steht seit 48 Jahren. Es ist ein ansehnliches Haus in einer neuen Wohngegend. Die Fassade hat einen guten Anstrich. Der Treppenaufgang ist freundlich, hell und sauber. Zehn Parteien wohnen hier, teilweise mit Untermietern. Mittelstand, auch Rentner und Pensionäre. Für ihre Drei-Zimmer-Wohnungen mit Bad und Ofenheizung müssen sie monatlich 52 bis 59 DM Miete bezahlen.

Der kaufmännische Angestellte K. wohnt mit seiner Frau hier seit 32 Jahren. Sie sind jetzt zu zweit in der Wohnung, der Sohn hat geheiratet und ist in einen Neubau gezogen. Die Mieterhöhung von rund neun DM trifft die Familie nicht sehr – so muß man dem Gespräch mit seiner Frau entnehmen. Natürlich ist sie nicht erfreut. Aber sie hofft, daß der Hauswirt dafür wieder einiges in Ordnung bringen lasse. Ein paar Fenster seien nicht ganz dicht, die Badewanne setze Rost an. Aber im ganzen sei das Haus nicht schlecht in Schuß. "Schließlich wohnen hier ordentliche Leute!" meint sie.

Das Haus ist aber auch darum so gut in Schuß, weil der Eigentümer vor drei Jahren fast 11 000 DM Instandsetzungskosten hineingesteckt hat. Hier ist seine Rechnung:

Im Jahre 1957 betrugen seine Einnahmen an Mieten einschließlich der Umlagen (Wassergeld, Sielgebühren, Treppenreinigung, Schornsteinfeger und Untermietezuschlag) 7512,68 DM.

Die Ausgaben jedoch beliefen sich auf 13 770,91 DM, davon 10 840,82 DM Instandsetzungskosten. In seinen Büchern erschien ein Defizit von 6252,23 DM. (Bei dieser Rechnung sind die Ausgaben für Zinsen und Schuldentilgung nicht berücksichtigt.)