-z, Bremen

Reisen bildet – so sagt man. Wer jedoch viel reist, wird daran zweifeln, ob Reisen denn auch immer den Geschmack bildet. Will jemand von seiner Reise nicht nur erzählen, sondern auch handfeste Erinnerungsstücke vorweisen können, dann verfällt er auf jene Gruselkabinette des Kitsches, über denen "Souvenir" steht und deren Inhalt sich überall gleicht – ob am Rhein oder an der Seine, ob am Tiber oder am Niagarafall. Und so künden denn abziehbilderbestückte Aschenbecher und uhrenverzierte Muschelbänke von abenteuerlichen Fahrten.

Ein Bremer Museumsdirektor, Dr. Werner Kloos vom Focke-Museum, meinte jedoch nun: Das muß nicht so sein! Und zum Beweis dessen trug er aus den nördlichen Provinzen unseres Landes Andenken zusammen, welche die landläufige Meinung widerlegen, daß in dieser Branche nur Kitsch fabriziert werde. Was er fand, stellt er jetzt in neun Vitrinen seines Museums zur Schau, Dinge, die nur erfreuen sollen, schöne Gebrauchsgegenstände und Mitbringsel, die "zum alsbaldigen Verbrauch bestimmt" sind. Worpswede etwa bringt sich mit Kunst und Kunstgewerbe in Erinnerung, aus Soltau kommen schöne Zinngefäße, und aus Lübeck Marzipan.

"Zuwachs erwünscht", sagt Dr. Kloos. Doch vorerst findet er unter seiner Post noch häufig Briefe, in denen eine Gemeinde bedauernd mitteilt, sie habe nichts Passendes anzubieten. Andere wiederum finden es ungerecht, daß ihr Beitrag keine Gnade vor den gestrengen Augen des Sammlers fand und postwendend zurückkam. Aber das ist ja auch ärgerlich...