ZEITSPIEGEL

Worte der Woche

"Die Welt hat ihren Blick von dem Scherbenhaufen, der von der Pariser Gipfelkonferenz übriggeblieben ist, wieder auf Berlin gelenkt und feststellen könnfen: Das ‚Sensationelle‘ an Berlin ist seine Normalität." Willy Brandt,

Regierender Burgermeister von Berlin

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"Früher gingen die Menschen wegen der guten Töne ins Konzert, heute tun sie es wegen des guten Tons!" Heinrich Böll,

deutscher Schriftsteller

Front gegen Südafrika

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Die Zweite Afrikanische Konferenz in Addis Abeba, wo sich die Vertreter der unabhängigen Staaten Afrikas für zehn Tage berieten, stand im Zeichen heftiger Angriffe gegen die Südafrikanische Union. In einer Resolution wurden alle Teilnehmer aufgefordert, keine diplomatischen Beziehungen zu diesem Lande aufzunehmen, seinen Ausschluß aus dem Commonwealth zu betreiben und seine Handelsgüter zu boykottieren. Ein schwerer Schlag erwartet die südafrikanische Luftverkehrsgesellschaft: ihre Linien quer über den Kontinent sind auf Flugplätze wie Leopoldville, Khartum, Kairo und Kano angewiesen – alle vier stehen unter der Kontrolle unabhängiger Staaten. Wenn also der Kongo, Sudan, Ägypten und Nigeria künftig Landungen verbieten, dann bleiben der Union nur noch zwei Flugplätze erhalten Nairobi in Kenia und Entebbe in Uganda.

Vier neue afrikanische Staaten

Die vier der Communauté angehörenden afrikanischen Staaten Dahomey, Haute-Volta, Niger und Elfenbeinküste hoffen, schon im August dieses Jahres unabhängig zu werden. Der französische Staatschef de Gaulle hat sich mit dem Wunsch dieser Länder nach voller Souveränität einverstanden erklärt.

Organisierter Haß

In Rotchina wurde eine "Haßwoche" gegen die Vereinigten Staaten eröffnet. Wie Radio Peking berichtet, breitet sich die Kampagne "wie ein Buschfeuer" über das ganze Land aus. Die antiamerikanische Stimmung wird in Artikeln, Ausstellungen, Bühnenstücken und eigens dafür komponierten Liedern geschürt.

Strategische Bergstraßen

Alle 45 Grenzpässe zwischen Nepal und Tibet wollen die Chinesen mit der neugebauten Straße von Lhasa über Gartok nach Sinkiang verbinden. Für sieben Pässe sind, wie es in Nepal heißt, die Verbindungswege bereits fertiggestellt. Die Straße Lhasa-Gartok hat vor allem strategische Bedeutung.

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Er de hör’ die Signale!

Professor Bracewell von der Stanford Universität in Kalifornien, einer der führenden Radioastronomen Amerikas, vermutet, daß ein Satellit aus fremden Welten um die Sonne kreist und geheimnisvolle Botschaften aussendet. Schon 1927, 1928 und 1934 seien solche Signale gehört worden, die damals niemand deuten konnte. Bracewell ist überzeugt: Intelligente Wesen, irgendwo im Universum, rufen die Erde – in stiller Hoffnung auf Antwort.

Attraktion in Accra

In Accra, der Hauptstadt Ghanas, ist jetzt das erste Spielkasino des Landes eröffnet worden. Die Regierung verspricht sich davon eine Attraktion für Touristen. Zutritt haben Ausländer und alle Bürger Ghanas, die mehr als 6000 Mark im Jahr verdienen – und nicht der Wehrmacht, der Polizei und der Justiz angehören oder im öffentlichen Dienst beschäftigt sind.

Ende des Balkanpaktes

Der 1953 zwischen Griechenland, Jugoslawien und der Türkei abgeschlossene Freundschaftsvertrag, der 1954 zu einem regelrechten Beistandspakt erweitert worden war – kurz Balkanpakt genannt –, wird keine 20 Jahre laufen, wie seine Schöpfer vereinbart hatten. Sprecher in Belgrad und Athen erklärten jetzt, daß dieser Vertrag heute praktisch gegenstandslos sei. In der jugoslawischen Verlautbarung heißt es: Der Ministerrat der Vertragsorganisation habe seit mehr als fünf Jahren nicht mehr getagt, das Paktsekretariat in Athen sei stinkfaul gewesen und habe niemals Dokumente ausgetauscht. Der Balkanpakt erlitt während der Zypernkrise seine erste Erschütterung. Nach der Beilegung der griechisch-türkischen Spannungen war Jugoslawien schon zu sehr einer Politik strenger Neutralität verpflichtet, als daß es weiterhin an einen westlichen Militärblock gebunden sein wollte.

Lesestoff für Sowjetbürger

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Über eine Milliarde Bücher werden jährlich in der Sowjetunion gedruckt, berichtete die Prawda. Auf jeden Sowjetbürger kommen also fünf Bücher pro Jahr.

Teurer Sturz

Der berühmte Geiger Jascha Heifetz hat ein Hollywooder Feinkostgeschäft auf Schadenersatz in Höhe von 910 000 Dollar verklagt. Der Geiger war auf dem nassen Boden des Geschäftes ausgerutscht und hatte sich beim Sturz die Hüfte gebrochen sowie einige andere Verletzungen erlitten. Die "bleibenden Folgen" dieser Verletzungen veranschlagt Heifetz auf einen Werte von 500 000, die nachteiligen Auswirkungen für seinen Beruf auf 400 000 Dollar, für die medizinische Behandlung stellte er 10 000 Dollar in Rechnung.