Protest auf der HV der DEA

Die auf 11 (10) Prozent erhöhte Dividende hat bei den Aktionären der Deutsche Erdöl AG, Hamburg, nicht den Eindruck aufkommen lassen, daß die Gesellschaft unbedingt auf der Schattenseite der Konjunktur liegt. Der Optimismus, der in der Rede des Vorstandsvorsitzenden Dr. Schlicht zum Ausdruck kam, stand im deutlichen Gegensatz zum Aktienkurs der DEA, der an der allgemeinen Aktienhausse bislang nicht teilgenommen hat. Dieser teilt also das Schicksal der meisten Erdölunternehmen in der Welt, die von der Börse zur Zeit immer noch recht zurückhaltend beurteilt werden.

Dr. Schlicht sagte, daß die DEA bei ihren Kohle-Zechen den Tiefpunkt überwunden hat; beim Erdöl wird der wachsende Verbrauch trotz der überall entstehenden neuen Raffinerie-Kapazitäten für die Überwindung der Schwierigkeiten sorgen. Die DEA verlagert jetzt das Schwergewicht der Investitionen auf den Mineralölsektor und den chemischen Bereich. 1960 werden für 80 bis 90 Mill. DM investiert werden, 1961 und 1962 werden die Investitionen sogar noch ansteigen, so daß für 1961 eine Kapitalerhöhung fällig wird.

Das klang alles recht hoffnungsfroh. Wenn es dennoch auf der Hauptversammlung zu einer längeren Debatte kam, so lag dies in erster Linie an dem als Aktionär auftretenden Prof. Meilicke, Bonn, der eine Serie von Fragen abschoß, die alle den Übernahmevertrag von Rheinpreußen betrafen sowie die Auswirkungen, die sich daraus für die DEA-Bilanz ergeben. Die Verwaltung gab bereitwilligst Auskunft, auch über die Höhe der für diese Transaktion gezahlten Bankenprovisionen, die Prof. Meilicke als zu hoch bezeichnete. Die Auskunftfreudigkeit der Verwaltung fand ihr Ende, als Prof. Meilicke die Verlesung des mit der Familie Haniel abgeschlossenen Vertrages über die Übernahme des Rheinpreußen-Kapitals forderte. Da Prof. Meilicke außerdem glaubte, daß die Rheinpreußen-Beteiligung zu niedrig in die DEA-Bilanz eingesetzt worden ist, verweigerte er der Verwaltung die Entlastung und gab Protest zu Protokoll. –ndt