Wieder einmal herrscht Hausse an den deutschen Börsen. Die Kurse erklimmen Höhen, die auf den ersten Blick astronomisch scheinen, und man fragt sich, wie soll das enden?

Es handelt sich, in gewissem Sinne, um eine "klassische" Hausse. Nicht nur die Börse erzielt Rekorde, auch die Aktivität der Wirtschaft läuft auf Höchsttouren. Der Arbeitsmarkt ist leergefegt, die Auftragsbücher platzen und dem Auftrieb des DM-Kurses (durch ständige Devisenzufuhr) muß von der Bundesbank durch rigorose Maßnahmen entgegengewirkt werden.

Aber auch die Bundesbank kann ausländischen Interessenten nicht verbieten, deutsche Aktien zu kaufen, auch wenn die Banken ausländische Guthaben nicht verzinsen dürfen. Bei dem geringen Aktienangebot läßt überdies schon eine leichte Zunahme der Nachfrage die Kurse emporschnellen.

Alle Gerüchte, die Mark würde aufgewertet, sind von Bundesbank und Bundesregierung kategorisch dementiert worden; aber offensichtlich hat das bei vielen Anlegern und Spekulanten nur die Erwartung ausgelöst, daß daraufhin Preise und Löhne in der Bundesrepublik steigen werden. Diese Erwartung ist verständlich, denn es wäre ein historisches Novum, wenn trotz Vollbeschäftigung, Devisenüberschüssen und Konvertibilität die Preise und Löhne absolut stabil bleiben würden.

Unter solchen Umständen wäre auch ein höherer Stand der Aktienkurse angebracht – der allerdings von der Börse jetzt schon vorweggenommen wird. Mag sein, daß dabei die Wolken, die am amerikanischen Konjunkturhimmel aufziehen, manche Ausländer veranlassen, von amerikanischen in deutsche Aktien umzusteigen.

Fragt sich nur, ob eine isolierte Hochkonjunktur in der Bundesrepublik möglich ist. Sonst nämlich würde diese Rechnung nicht aufgehen. J. S.