Er sieht so aus, wie man sich einen kaiserlichen Gardeleutnant vorstellt. Das etwas hochmütige, etwas gelangweilte Gesicht wirkt, als gehöre es zu einer Uniform mit hohem, goldbesticktem Kragen. Die Stimme klingt befehlsgewohnt. Der Tonfall, den er zuweilen anschlägt, weckt in Leuten mit Links-Sentiment Klassenkampfinstinkte und Barrikadengelüste.

Karl Theodor Reichsfreiherr von und zu Guttenberg, 39 Jahre alt, Ritter des Ordens vom Heiligen Grabe, Großgrundbesitzer und Bundestagsabgeordneter des oberfränkischen Wahlkreises Forchheim, hat sich durch die beiden einzigen Reden, die er bisher im deutschen Bundestag gehalten; hat, den Ruf erworben, ein "Sozialistenfresser" und eines der hoffnungsvollsten außenpolitischen Talente der CDU/CSU-Fraktion zu sein. Noch nie haben sich bei einer Jungfernrede im Bundestag solche Tumultszenen abgespielt wie in der außenpolitischen Debatte vom 5. November 1959, als Guttenberg von seiner Fraktion vorgeschickt wurde, um den Sozialdemokraten ihren Deutschlandplan "um die Ohren zu schlagen".

Die rhetorischen und akustischen Höhepunkte der Rede sind im Sitzungsprotokoll wie folgt festgehalten:

Freiherr zu Guttenberg (CDU/CSU: an die Sozialisten gewandt):... was sie an Ulbricht stört, das ist der Terror und damit die Methode, nicht die Sache. Deutschlands Freiheit, so wie sie sie wünschen, das ist die Zone ohne Ulbricht, das ist die Bundesrepublik mit den sozialistischen Errungenschaften.

(Beifall bei. der CDU/CSU. – Abg. Dr. Arndt: "Es sollte keiner ein Recht haben, hier so niederträchtig zu reden!" – Zuruf von der SPD: "Unerhörter Scharfmacher!" – Lebhafte Pfui-Rufe von der SPD. – Abg. Dr. Arndt: "So ein Schafskopf!" Anhaltende, lebhafte Zurufe von der SPD. – Gegenrufe von der CDU/CSU.)

Ich will nicht untersuchen, ob es in dem Staate Ihrer Träume wirklich Freiheit geben könnte,

Abg. Dr. Arndt: "Schafskopf!" – Fortgesetzte Zurufe von der SPD.)