Das überdurchschnittliche Ergebnis, das die Allianz Versicherungs AG, München-Berlin, im Geschäftsjahr 1959 erzielte, beruht im wesentlichen auf zwei Gründen: Erstens ist es der Gesellschaft gelungen, die besseren Risiken in ihrem gut gemischten Versicherungsbestand zu bekommen und zum andern hat die besonnene Anlagenpolitik reiche Früchte getragen. Im Sog der allgemeinen Konjunktur erreichte dieser größte Sachversicherer Westdeutschlands, der einen Marktanteil von fast einem Viertel bestreitet, mit einer um 83 (i. V. 76) Mill. DM auf 719 Mill. DM gestiegenen Prämieneinnahme, von der wieder ein Drittel in Rückdeckung gegeben wurde, den bisher größten absoluten Zuwachs seit der Währungsreform. Die Zahl der laufenden Versicherungen hat inzwischen 12 Mill. Stück überschritten. Im Berichtsjahr wurden 1,16 Mill. Schäden bearbeitet. Der Stab der festangestellten Mitarbeiter im Innen- und Außendienst nahm um 700 auf über 11 200 zu. Dank dem auf 13,92 (12,76) Mill. DM verbesserten versicherungstechnischen Überschuß, der auf 7,24 (7,11) vH erhöhten Durchschnittsverzinsung der festen Vermögensanlagen und nicht zuletzt infolge weiterer Rationalisierung der Verwaltungsarbeit können diesmal die Rücklagen um 12 (9,91) Mill. DM auf 59 Mill. DM erhöht und aus dem verbleibenden Gewinn 28 (25) DM Stückdividende vorgeschlagen werden. Das entspricht einer Ausschüttung von 15,89 (14,18) vH auf das zu 88,13 vH eingezahlte Aktienkapital von 35,2 Mill. DM.

Das Reservenpolster, das die Allianz in den letzten Jahren emsig gefüllt hat und das die Relation zwischen Eigenkapital und Nettoprämie auf 18,7 vH verbesserte, mag manchem Außenstehenden als recht üppig erscheinen. Ein Blick auf die allgemeine Schadenentwicklung und auf die zunehmende Kumulierung der Risiken macht dies jedoch verständlich. Erinnert sei nur an die Kraftfahr-Haftpflichtversicherung, dem wundesten Punkt der Assekuranz. Sie führte im Berichtsjahr bei der Allianz zu einem Verlust von 13 Mill. DM. Infolge der guten Ergebnisse der Kfz-Unfall- und Kasko-Versicherung gelang es jedoch, in der Kraftfahrversicherung insgesamt mehr Überschuß als im Vorjahr Zu erzielen. Der erneute Verlust in der Kfz-Haftpflicht wird u. a. damit begründet, daß die am 1. September 1957 eingeführte Geschwindigkeitsbegrenzung, die 1958 die Schadenbelastung noch günstig beeinflußt hatte, ein erneutes Ansteigen der Schäden im Berichtsjahr nicht verhindern konnte. Für die jetzt bis zu 50 vH gestaffelte Beitragsrückvergütung an schadenfrei gebliebene Fahrer wurden Überschüsse, die sich aus der Abwicklung der Schadenreserven der vergangenen Jahre ergaben, herangezogen. Mit diesem Rückvergütungsanreiz hofft man auf lange Sicht auch eine Verminderung der Bagatellschäden zu erreichen. Die Gesellschaft mußte im letzten Jahr nicht weniger als 120 000 Schäden unter 100 DM regulieren. Auch die Tarifreform, bei der die Kfz-Haftpflicht-Prämien erhöht und die Kasko- und Kfz-Unfall-Prämien gesenkt werden, soll zu einer besseren Ausgeglichenheit der gesamten Branche beitragen.

Neben der Tierversicherung schließt nur die Transportversicherung mit einem negativen Ergebnis, und zwar deshalb, weil die Rückstellungen für Luftkasko um mehr als 1 Mill. DM verstärk wurden. Die Risikoballung in diesem Zweig wächst besonders. Der Absturz eines Düsenverkehrsflugzeugs kann einen Schadenaufwand bis zu 64 Mill. DM erfordern! In der Feuerversicherung blieb das Ergebnis noch befriedigend, wenn es auch nicht so günstig wie in den Vorjahren war. Günstig verlief das Geschäft in den kleineren Sachzweigen, insbesondere in der Einbruchdiebstahlversicherung. Auch die Unfallversicherung und die allgemeine Haftpflichtversicherung geben der Verwaltung keinen Anlaß zu Klagen. Die von manchen Versicherungsnehmern als Lottospiel betriebene Reisewetterversicherung hat man infolge der trüben Erfahrungen nicht mehr forciert. Nach dem regen- und verlustreichen Vorjahr schloß diese Sparte im Berichtsjahr mit einem kleiner Gewinn.

Erhebliche stille Reserven enthalten die um102 (114) auf 704 Mill. DM aufgestockten festen Vermögensanlagen. Der größte Teil der Zunahme betraf Wertpapiere. Sie sind jetzt mit 59 vH Grundstücke mit 20 vH und Beteiligungen mit 11 vH am Vermögensstock beteiligt. Der Beteiligungszugang betrifft im wesentlichen Aktie: ausländischer, konzernfremder Versicherungsunternehmen und Anteile an Partenreedereien. Die maßgeblichen Industriebeteiligungen der Allianz sind nach wie vor die VDM, Schiess-AG P. Beiersdorff & Co. AG, Deutsche Continental-Gas-Gesellschaft. Im Ausland beteiligte man sich an der Gründung einer Lebensrück- und einer Sachversicherungsgesellschaft in Übersee. Das Auslandsgeschäft, das 21 Mill. DM Prämieneinnahmen erbrachte, konzentriert sich hauptsächlich auf die USA, wo die Allianz mit der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft zusammenarbeitet. B. N.