Die Pariser Börse hat sich zur Zeit von politischer Beeinflussung weitgehend freigemacht. Die Unterbrechung der vorbereitenden Verhandlungen über ein Algerien-Abkommen hat, da niemand mit schnellen Erfolgen rechnete, die Börse nicht in Erstaunen gesetzt und ihre Kauffreudigkeit kaum beeinflußt. Es sind in den letzten Tagen zwar, besonders von der Berufsspekulation, Gewinnrealisationen vorgenommen worden, doch dürften sie nicht durch die Abreise der FLN-Delegation, sondern durch das Bedürfnis, nach der langen Hausseperiode eine Atempause einzulegen, veranlaßt worden, sein.

Am 1. Juli begann in Frankreich die Ferienperiode. Der größte Teil der Generalversammlungen, in denen über Abschlüsse für das Jahr 1959 berichtet wurde, ist vorüber. Es ist daher zu erwarten, daß die Börsen-Umsätze, die in den Vorwochen ungewöhnlich hoch, auch unter Beteiligung des Auslandes, waren, nunmehr etwas zurückgehen werden. Ein lebhaftes Anlagebedürfnis allerdings bleibt bestehen. Die letzte Monatsliquidation hat, ohne daß die Anzahl der Terminkäufe sich nennenswert erhöht hätte, erhebliche Gewinne gebracht. Ein großer Teil von ihnen ist bereits am Kassamarkt angelegt worden. Das Volumen der Terminverpflichtungen ist nach der letzten amtlichen Statistik aber nur um 10 vH gestiegen, was ungefähr der inzwischen erfolgten Kurssteigerung der Aktien entspricht. Der Kapitalmarkt ist flüssig. Die Anleihe des Crédit Fonder bei einem Nominalzins von 5 vH, mit Prämien in 20 Jahren auslosbar, ist in einem Betrage von 300 Millionen NF in 48 Stunden überzeichnet worden. Große Dividendenbeträge sind in den ersten Tagen dieses Monats fällig. Auch sie werden Anlage suchen.

In letzter Zeit sind Montanwerte‚ die lange vernachlässigt waren, obwohl die Nachrichten aus der Industrie eindeutig günstig blieben, wieder mehr in den Vordergrund des Interesses getreten. Der Export in Spezialstählen entwickelt sich gut. In der Stahlherstellung sind wesentliche, die Entstehungskosten mindernde Fortschritte erzielt worden. Die Investitionstätigkeit geht in schnellem Tempo weiter. Tréfileries et Laminoirs du Havre werden eine neue Erweiterung durch Fusion mit der Société des Lignes Téléphoniques Souterreaines und den Câbles et Materiels Electriques G. Bouchery durchführen. Unter Beteiligung des Auslandes besteht auch weiterhin lebhaftes Interesse für alle Werte des Elektro-Maschinenbaues. In der Chemiegruppe konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf die großen Gesellschaften. Auch Bankwerte holen langsam auf, während Erdölwerke sich trotz wiederholter Anläufe dem Rhythmus der Aufwärtsbewegung noch nicht anpassen konnten. Retlaw