v. L., München

Ein dunkelhaariges Mädchen, die "Schwarze Doris", darf aufatmen. Kein Mordverdacht mehr!

Die "Schwarze Doris" hatte den zwanzigjährigen Matrosengefreiten Georg Ziegldrum kennengelernt – wie das halt so geht: in einem Münchner Nachtlokal. Zwei Freunde Ziegldrums verabschiedeten sich diskret. Und im Wagen seines Vaters machte sich der Matrose auf, seine "Doris" nach Hause zu bringen. Wenige Stunden später, am frühen Morgen, fanden Bauarbeiter die Leiche Ziegldrums drunten im Wasser an einem Brückenpfeiler.

Eifrig machte sich die Mordkommission an die Arbeit. "Die ‚Schwarze Doris‘ weiß mehr", betitelte ein Boulevardblatt seinen Bericht über Ziegldrums letzte Stunden. Schweigen. Bis es drei Tage später der Polizei einfiel, nach Ziegldrums Auto zu fahnden. Das Auto war verschwunden. Die Mordkommission witterte Raubmord. Es vergingen weitere vier Tage. Von Ziegldrums Auto keine Spur. Dafür wurde die "Schwarze Doris" aufgetan. Mordverdacht...

Am achten Tag sprach die Polizei verschämt von einer ‚Panne‘: Georg Ziegldrum hatte, mit 1,5 Promille Alkohol im Blut, auf der Heimfahrt einen anderen Wagen ramponiert; Die Streife, die den Unfall – "leichter Sachschaden" – bearbeitete, hatte ihm an Ort und Stelle den Führerschein abgenommen und seinen Wagen sichergestellt. Offenbar infolge einer Kurzschlußhandlung war der Junge gleich danach von der Brücke ins Wasser gesprungen. Während die Mordkommission sein Auto im ganzen Bundesgebiet suchen ließ, stand es in einer Polizeigarage...