Mit diesem Bericht setzen wir die Artikelfolge unseres badeärztlichen Mitarbeiters über Kur- und Badeorte fort.

Die alten Frankfurter kennen noch die schlanken braunen Tonkrüge mit dem Vilbeler Wasser, das sie so gerne tranken – wenn der Apfelwein nicht reichte. Die Stadt, die sich seit 1948 ganz offiziell "Bad" nennen darf, liegt nur etwa fünf Kilometer von Frankfurt am Main entfernt in der Wetterau. Der Name des idyllischen Ortes kommt von "Wil bei den Felben", was soviel heißt wie "Stadt bei den Weiden", jenen Weiden nämlich, die die Niederungen am Flüßchen Nidda bestanden. Der Ort ist alt, wie ein Mosaik aus der Römerzeit bezeugt. Noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts wurden hier auch die Pferde der Thum- und Taxis’schen Post gewechselt. Die Gäste blieben in den einladenden Gasthäusern über Nacht: erste Zeichen eines nunmehr regen Fremdenverkehrs.

Allmählich dehnt sich der Ruf, den die Stadt ihrem zweiundzwanzig Quellen entströmenden Mineralwasser verdankt, immer mehr auf den eigentlichen Badeort aus: Das Badehaus mußte inzwischen erweitert werden. Das Wasser – meist kohlensäurehaltiger Chlorid-Sprudel – hilft vor allem bei Herz- und Kreislauferkrankungen. Für die Rheuma- und die (durch neuzeitliche Ernährung selten gewordenen) Gichtkranken werden Moor-Paraffin-Packungen empfohlen.

Was denen, deren Herz und deren Kreislauf Sorgen bereitet, nicht weniger zu empfehlen ist, sind Spaziergänge, und wer fühlte sich in Bad Vilbel nicht dazu eingeladen? Da lockt vor allem die alte Wasserburg, in deren Gräben Schwäne und Enten zum Ergötzen der Wanderer beitragen. Das Museum in der Burg wartet mit allerlei altertümlichen Dingen auf, unter denen die Tonkrüge und eine Füllmaschine für Mineralwasser vor allem an die Bedeutung des Ortes erinnern.

Vielen Gästen ist die Nähe Frankfurts angenehm; es erleichtert den Entschluß, in der Zeit der Kur auch an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen. Den Frankfurtern indessen bietet sich die Möglichkeit, sich in Bad Vilbel ambulant auskurieren zu lassen. Richard Kühn