Die Privatisierung ist der Preussischen Bergwerks- und Hütten-AG in Hannover (Preussag) auf der ganzen Linie gut bekommen. Diesen Schluß ließ der vor einigen Wochen vorgelegte Bericht über das Geschäftsjahr 1959 zu, jetzt hat ihn der Verlauf der Hauptversammlung am 30. Juni bestätigt. Obwohl die Dauer dieser Sitzung in der hannoverschen Niedersachsen-Halle (von 15 Uhr bis kurz vor Mitternacht) alle verantwortlich Mitwirkenden genauso wie im Vorjahr strapazierte, ging doch alles unvergleichlich besser. Vorstand und Aufsichtsrat der Preussag hatten schon durch ihre informativen Aktionärbriefe und andere Maßnahmen gezeigt, daß sie die über 200 000 Eigentümer dieser ersten privatisierten Staatsgesellschaft ernst nehmen. Zugelernt haben aber auch die mit reichlich tausend Personen etwas zahlreicher als im Vorjahr erschienenen Aktionäre. Sie fragten sachlicher und auch geschickter. Nur noch wenige sehen in dieser Hauptversammlung von "Volksaktionären" eine Gelegenheit, sich persönlich hervorzutun.

Großen Anteil an dem guten Klima dieser Hauptversammlung, auf der von 105 Mill. DM Aktienkapital knapp 73 Mill. DM vertreten waren, hat der Aufsichtsratvorsitzer Dr. Elmendorff, Düsseldorf. Seine ruhige und entgegenkommende Verhandlungsführung ließ sich auch nicht durch solche Fragen erschüttern, denen allzuwenig Sachkunde zugrunde lag. Zu loben ist ebenso die große Bereitwilligkeit zu Auskünften am Vorstandstisch. Vor allem Dr. Krämer hatte eine Fülle von Fragen zu beantworten, er wich nicht mal der nach den inneren Reserven der Preussag aus (nach seiner Ansicht enthält das Anlagevermögen etwa 30 bis 40 Mill. DM stille Reserven, das Beteiligungsvermögen 20 bis 25 Mill. DM, und in der vorsichtigen Bewertung der Kohlenhalden steckten weitere 5 Mill. DM). Mit Recht warnte Dr. Elmendorff vor einer Überschätzung dieser Zahlen: "Was nützt mir die schönste abgeschriebene Anlage, wenn ich sie nicht beschäftigen kann."

Mehrfach waren auch von Sprechern organisierter Preussag-Aktionäre, die vor einem Jahr recht aggressiv auftraten, Worte zu hören: "Wir haben heute Vertrauen, in die Verwaltung." Ein Vertreter solcher "Volksaktionärs – Vereine" – manche wiesen darauf hin, daß sie ein Aktienkapital von 100 000 DM vertreten – nannte es ein "historisches Ereignis", daß die Verwaltung auf Anregung von Kleinaktionären einen ihrer Vorschläge während der Hauptversammlung revidierte. Gemeint war die Fristverkürzung der Ermächtigung des Vorstands, das Grundkapital bis zu 157,5 Mill. DM zu erhöhen. Ursprünglich sollte die Vollmacht bis 1965 reichen, sie wurde jedoch verkürzt auf den 30. September 1961.

Die meisten Aktionärsanträge bezogen sich auf die Satzungsänderung über die Schaffung genehmigten Kapitals. Sie reichten von der Forderung nach Gratisaktien über einen Ausgabekurs der neuen Aktien zu pari bis hin zu einer Kursbeschränkung auf 130 vH. Der abgeänderte Verwaltungsvorschlag wurde gegen 10 719 bei 195 Enthaltungen angenommen (anwesend waren zu Beginn der HV 492 521 Stimmen). Vorstandsmitglied Dr. Krämer versicherte bei dieser Gelegenheit, daß der Ausgabekurs der neuen Aktien nicht unter 145 und nicht über 160 vH liegen werde. Von der Ermächtigung, das Kapital durch Ausgabe neuer Aktien zu erhöhen, werde nur dann Gebrauch gemacht, wenn die schwebenden Verhandlungen über den Erwerb der Geschäftsanteile der Vereinigten Tanklager und Transportmittel GmbH (VTG) erfolgreich abgeschlossen würden.

Viel geredet wurde auch über den Verwaltungsantrag, die Aufsichtsratentschädigung zu erhöhen auf 6000 DM für das Mitglied und 18 000 DM für den Vorsitzenden. Der Vertreter der "Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz" meinte vergeblich, die Preussag sollte es bei der in Deutschland üblichen Verdoppelung der Vergütung für den AR-Vorsitzenden belassen, ihm jedoch nicht das Dreifache zubilligen. Mit 454 713 gegen 13 942 Stimmen wurde auch diese Satzungsänderung angenommen. K. D.