Die Verpackung ist die erste Verkaufskraft jedes Betriebes." So versicherte ein amerikanischer Verpackungsingenieur seinen deutschen Zuhörern auf einem "Verpackungs-Seminar". Das war vor drei Jahren.

Damals gab es in der Bundesrepublik knapp 3000 Selbstbedienungsgeschäfte. Heute gibt es über 17 000, und es zweifelt inzwischen auch bei uns niemand mehr daran, daß die These "Gut verpackt ist gut verkauft" stimmt. Die Erfahrungen in den Selbstbedienungsgeschäften beweisen die Richtigkeit des Slogans täglich.

In der Bundesrepublik werden heute schon 25 vH der Lebensmittelumsätze in Selbstbedienungsläden getätigt, und es ist damit zu rechnen, daß dieser Anteil noch stark anwachsen wird. Je länger je mehr Geschäftsleute fordern deshalb auch die Vor-Verpackung die am wirtschaftlichsten dort geschehen kann, wo Maschinen zur Verfügung stehen. – also beim Erzeuger oder an der Stelle, die den größten Warenumschlag hat.

Denn für kleinere Geschäfte sind Verpackungsmaschinen teilweise unerschwinglich. Für das Verpacken einer Ware im Ladengeschäft sind in Durchschnitt 27,6 Sekunden erforderlich; für die "Abfertigung" des im Regal stehenden abgepackten Stücks dagegen werden nur drei bis vier Sekunden benötigt. Deutlich läßt sich der Vorsprung von Maschinen gegenüber dem Menschen hier nachrechnen. Wenn ein Pfund Reis verpackt wird, so bedeutet das einen Aufwand von 2,05 Pfennig; eine Arbeitskraft schafft 100 Pakete in der Stunde. Im Falle einer halbautomatischen Maschine betragen die Kosten für das Pfundpaket nur noch 1,52 Pfennig – bei einer Stundenleistung von 245 Paketen. Bei vollautomatischer Verpackung sinken die Kosten auf 0,74 Pfennig.

Die Verpackung ersetzt in gewisser Hinsicht die Verkäuferin. Die Aufmachung übt nämlich auf den Umsatz einen großen Einfluß aus. Bei der Bedienung wirbt die Verkäuferin – bei der Selbstbedienung die Verpackung. Welches Fabrikat von einer bestimmten Ware gekauft wird, das hängt hier nicht mehr von der Empfehlung des Bedienungspersonals ab (und oft nicht mehr von der Qualität), sondern von der Werbewirksamkeit der Verpackung.

Es gibt Waren, deren Absatz durch entsprechende Verpackung um 300 vH erhöht werden konnte. Findige Leute haben deshalb den Selbstbedienungsladen "Kaufanreiz-Laden" genannt. In der Tat scheint der Anreiz zum Kauf im SB-Laden außerordentlich stark zu sein. Die Verkanfspsychologen haben herausgefunden, daß eine Hausfrau, die in einem Selbstbedienungsladen dreierlei Waren zu kaufen beabsichtigt, außerdem noch sieben nicht geplante "Impulskäufe" tätigt, zu denen sie nur durch die interessante Aufmachung der Ware veranlaßt wird.

Die "interessante Aufmachung" geht allerdings meist zu Lasten des Verbrauchers. Denn über das Maß des Notwendigen hinaus wird vielfach des Guten zu viel getan. Es ist – beispielsweise – nicht einzusehen, weshalb Konserven in Blech oder andere in Blech verpackte Waren noch zusätzlich in einen ebenso reich illustrierten Karton verpackt werden müssen. Dafür bekommt der Verbraucher keinen Gegenwert. Mancher Zehnmarkschein wandert im Verlauf eines Jahres auf diesem Umweg in den Mülleimer.