Schon heute steht fest: Die Aktionäre der Vereinigte Jute-Spinnereien und Webereien AG, Hamburg, werden auch für 1960 wieder ohne Dividende bleiben. Damit werden sie dann 10 Jahre keine Ausschüttung erhalten haben. Ihre Unzufriedenheit auf der Hauptversammlung war deshalb berechtigt. Nun ist die Jute-Branche natürlich in einer sehr schwierigen Lage; die indische und pakistanische Konkurrenz – unterstützt von ihren Regierungen – kann billiger liefern. Einen Schutz dagegen hat die Bundesregierung abgelehnt. Hinzu kommt ein gewisser Wandel im Verpackungsmaterial, der beispielsweise die Jute-Säcke nach und nach verdrängt. Damit haben sich die Jute-Aktionäre abgefunden; ihre Kritik richtet sich jedoch gegen die Unternehmensführung, die es nicht rechtzeitig verstanden hat, die Konsequenzen aus der Situation zu ziehen. Der gegenwärtige Vorstand und auch der jetzige Aufsichtsrat brauchte sich von den in diese Richtung gehenden Vorwürfen kaum getroffen zu fühlen, denn beide Gremien sind in ihrer jetzigen Zusammensetzung erst relativ kurze Zeit im Amt. Von beiden Gremien gewannen die Aktionäre nunmehr das Gefühl, daß sich ihre Arbeit nicht mehr darauf beschränkt, auf bessere Zeiten bei der Jute zu hoffen, sondern daß ihr Herz nicht unbedingt an der Jute hängt und man jetzt mit Erfolg bemüht ist, den noch vorhandenen Betrieben andere Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen. Vom Gesamtumsatz entfallen heute nur noch rund ein Drittel auf Jute, die anderen zwei Drittel betreffen Textilien und Kunststoffe.

Wenn es auf der Hauptversammlung wieder zu einigen, allerdings betont sachlichen Auseinandersetzungen kam, so lag es vor allem an dem im Herbst vergangenen Jahres zur Schau gestellten Optimismus der Verwaltung, die – wie sich jetzt herausgestellt hat – die Umstellungsschwierigkeiten erheblich unterschätzt hatte. Sie hat damals angekündigte Ziele (Ausgleich der Bilanz) nicht erreicht. Mit Hoffnungen sind die Ver. Jute-Aktionäre in den vergangenen Jahren überfüttert worden. Es ist deshalb gut, daß man diesmal bemüht war, die Schwierigkeiten nicht mehr Zu bagatellisieren. Die Aktionäre pflegen im allgemeinen wirtschaftlich zu denken. Sie wissen, was es heißt, wenn eine Gesellschaft sich eine neue Existenzgrundlage suchen muß und daß dann Lehrgeld zu zahlen ist. Verstimmt sind die Aktionäre aber dann, wenn man ihnen auf jeder Hauptversammlung Hoffnungen macht (das erleichtert ihren Ablauf), die niemals realisiert werden konnten. – K.W.