Das Fernsehen, so will es fast scheinen, ist für manche gute Funkregisseure eine Zwischenstation, auf der sie sich zu Filmregisseuren entwickeln. Ludwig Cremer ist von dieser Art nicht der einzige, ließ aber nun mit Arthur Millers "Hexenjagd" zum zweiten Male erkennen, wie verführerisch es sein muß, einen subtilen Theatertext in kontrastierend geschnittene Filmbilder zu übertragen. Solche Funkmeister der dialogischen Nuance erfinden in aller Öffentlichkeit für sich abermals den Film, verharren fürs erste freilich dort, wo er noch bedeutungsschweres Kammerspiel sein wollte. Oder war es Cremers stilistische Absicht, mit geheimnisvoll pausenbeladener Gesprächsführung, mit dialogischen und szenischen Symbollismen darauf aufmerksam zu machen, daß der heimliche Stammvater der "modernen" amerikanischen Dramatiker – Strindberg ist?

Millers "Hexenjagd" mußte sich durch Cremers Regie im Stuttgarter Studio ähnliche Akzentverlagerungen gefallen lassen wie früher Dürrenmatts "Alte Dame". Einzelne Figuren erschienen derart zurückgedrängt, daß wesentliche Kontrastfarben zu matt gerieten (Elizabeth Proctor, Pastor Parris, Tituba). Der hervorragende Hans-Christian Blech, als John Proctor zu einem schauspielerischen "Alleingang" gedrängt, wirkte ohne eigene Schuld schwächer als bei der leidenschaftlich gespannten deutschen Bühnenerstaufführung in Frankfurt/M.

Das Fernsehen hätte mit seinen Möglichkeiten des Bildwechsels dem originalen Kommentar nicht ausweichen dürfen, mit dem der Autor die Illusion des Spiels unterbricht und die Überzeitlichkeit des historischen Beispiels demonstriert. Schriftsätze im Vor- und Nachspann sind kein Ersatz dafür, sondern schlechte Filmmanieren. Ist schon die Eigenmächtigkeit mancher Theater fragwürdig, die Millers Zeige-Spiel als ein in sich geschlossenes Historien- und Charakterdrama vorführen – die psychologisierende Schmalspur, auf die Cremer die "Hexenjagd" im Fernsehen setzte, rechtfertigte nicht mehr die zusatzlose Programmbehauptung: "Von Arthur Miller." J. J.