Es wird wieder darüber gesprochen, ob in der Bundesrepublik weittragende Raketen stationiert werden sollen, die vom Rhein bis nach Moskau reichen. Bei einem Besuch in Bonn meinte der amerikanische Armeeminister Brucker, die USA seien damit einverstanden, wenn die Bundeswehr im Rahmen der NATO mit "Polaris"-Raketen ausgerüstet würde Bundesverteidigungsminister Strauß, so berichtete er, habe in den USA großes Interesse an dieser Waffe gezeigt.

Vor dem Wahingtoner Presseklub hatte Minister Strauß Mitte Juni allerdings jegliche "ehrgeizigen Absichten" der Bundesrepublik abgestritten, "Polaris"-Raketen zu erwerben. Freilich ließ er offen, ob diese Waffe ein NATO-Projekt werden könne.

Die Stationierung sogenannter strategischer Raketen in der Bundesrepublik galt bisher als unzweckmäßig, da die zur Verfügung stehenden Typen "Jupiter" und "Thor" feste Abschußrampen benötigen "Man stellt schwere Artillerie nicht in den Schützengraben" sagte Strauß damals. Für die "Polaris"-Rakete bestehen jedoch andere Voraussetzungen. Sie ist mobil und soll nicht nur von U-Booten – wofür sie konstruiert wurde – sondern auch von Eisenbahnwaggons und Speziallastwagen aus abgeschossen werden können. 1962 soll sie einsatzbereit sein.

H. M.