Ob Jean Anouilhs "General Quixotte" (Gemeinschaftsproduktion der Sender freies Berlin und Bremen) wohl ein direkter Nachfahre jenes von Cervantes gezeugten Ahnherren ist? Jedenfalls funktioniert die Komödie vorzüglich als Windmühle. Mit ihren Flügeln kann man dem Gros unserer Hörspielautoren prächtige Nasenstüber versetzen. Während sie ihren Personen Girlanden von Problemen um den dürren Hals winden, beschränkt sich Anouilh auf die individuellen Neigungen seiner Leute. Außerdem neigen seine Menschen dazu, sich gegenseitig auf die Füße zu treten. Berührungen verführen zu Reibungen. Reibungen erzeugen Funken. Funken werden zu Signalen für latente Spannungen. Und Spannungen werden nur von polaren Gegensätzen ermöglicht. Das ist das Schaltschema Anouilhs. Da erst enthüllt sich das geistreich ironisch abgesteckte. menschliche Beziehungsfeld. Darin wirkt jede Figur zugleich als Mittel und Zweck. Keine ist nur der Knüppel, keine nur der Esel. Und keinem noch so fortschrittsfeindlichen General wird in Dauerauftrag die Narrenkappe übergestülpt.

Ohrfeigen austeilen heißt bei Anouilh, Ohrfeigen empfangen zu können. Aktion und Reaktion sind Relation gesetzt, was nicht heißen muß, alles sei nur relativ. Wo derart Bewegung herrscht, können wir bewegt werden. Geschieht es auf so geistvolle Art, dann fällt zudem unsere Reaktion recht vergnüglich aus. Zumal, wenn die Fassung sorgfältig abgestuft, und ihr Charakter mit sicherem Takt eingestuft wurde.

Die Gemeinschaftsproduktion der beiden Sender konnte als wertvolle Morgengabe Rudolf Steinboecks Einstudierung mit dem Ensemble des Berliner Schloßparktheaters einbringen – und den prächtigen Martin Held als Haupthelden. Er balancierte artistisch sicher jenen Schwebezustand aus, in dem wir willig werden, eine Gestalt zur gleichen Zeit ernst und nicht ernst zu nehmen.

dree