v. S., Kairo im Juli

Der zweite Hochofen des von der Demag errichteten Hütten- und Stahlwerks in Kairo-Heluan ist Ende Juni angeblasen worden. Die Produktion dieses ersten ägyptischen Stahlwerkes auf Erzbasis wird damit rund 250 000 t im Jahr erreichen. Die Schwierigkeiten, mit denen dieses bisher größte Industrieprojekt Ägyptens zu kämpfen hatte, waren beträchtlich, und auch Staatspräsident Nasser hat sie keineswegs bagatellisiert.

Die Verantwortung der Demag hat mit der vertragsgemäßen Einrichtung der Werke ein Ende gefunden. Sie ist an dem Unternehmen mit 20 vH des Wertes ihrer Lieferungen beteiligt. Die SOCEFA hat einen Beratungsvertrag mit der Firma Klöckner Industrieanlagen GmbH abgeschlossen, die dem Unternehmen ihre Erfahrungen in technischer und organisatorischer Hinsicht zur Verfügung stellt. Die ägyptische Regierung hat auch mit Salzgitter ein Abkommen abgeschlossen, das sich auf die Beratung bei der Erforschung von Eisenerzvorkommen in Ägypten bezieht. Diese Verträge gehen auf die Initiative Nassers zurück, der eingesehen hat, daß die Organisation einer neuen Industrie Erfahrungen zur Voraussetzung hat, die den Ägyptern bisher fehlen.

Um eine Rentabilität der Werke zu erzielen, sind weitere, größere Investitionen erforderlich. In den Gruben von Assuan müssen Aufbereitungs- und Anreicherungsanlagen errichtet werden, der Transport der Erze über eine Strecke von etwa, 1000 Kilometer muß wegen Überlastung der z.T. nur eingleisigen Eisenbahnstrecke z. T. auf dem Nil organisiert werden, wozu der Bau einer Flotte und von Häfen beschlossen worden ist. Den Russen ist der Bau einer Sinteranlage in Auftrag gegeben worden, um den sehr beträchtlichen Anfall von Erzstaub verwerten zu können. Das Stahl- und Walzwerk muß erweitert werden, und seine Anpassung an die Erfordernisse des Marktes ist erforderlich. 40 000 Tonnen halbgewalzter Erzeugnisse werden nach Italien, Griechenland und Jugoslawien geschickt, um dort zu Blechen und Moniereisen verarbeitet zu werden.

Sachverständige des Westens haben seit der Gründung des Stahlwerks Heluan Bedenken über die Zweckmäßigkeit und Rentabilität des Unternehmens geäußert; sie sind bei der Anlegung westlicher Maßstäbe wohl auch begründet. Es wird aber dabei übersehen, daß die rein kalkulatorische Rentabilität der Stahlerzeugung in Ägypten in der Konzeption Nassers eine weit geringere Rolle spielt als andere Überlegungen. Allein die Beschäftigung einer großen Anzahl von Arbeitern ist hierbei von maßgeblicher Bedeutung.