Das passiert in letzter Zeit immer häufiger: der Briefträger klingelt an der Tür, überreicht dem erwartungsvoll öffnenden Wohnungsinhaber eine ordnungsgemäß frankierte Postkarte und sagt: "Sie müssen leider Nachporto bezahlen, 15 Pfennig. Die Karte ist zu leicht!"

Zu leicht, jawohl! Postkarten und Drucksachenkarten dürfen nämlich laut Postordnung kein "Untergewicht" haben – im Gegensatz zu den Briefen. Karten, die als zu leicht befunden werden, unterliegen dem Briefporto. Das Eineinhalbfache der daran fehlenden Gebühr wird vom Empfänger oder, wenn dieser die Annahme verweigert, vom Absender als Nachgebühr "eingezogen" – das sind bei Postkarten (10 plus 5) 15 Pf und bei Drucksachenkarten sogar (13 plus 7) 20 Pf.

Im Krieg und in der Reichsmarkzeit waren Papier und Karton sehr knapp. Die Post beförderte also auch Karten aus dünnem und schlechtem Papier, obwohl diese ihre Mucken hatten: Die Dinger bogen sich leicht um, rissen oft ein und machten allerlei andere Schwierigkeiten. Diese "Notausgaben" waren also nicht viel wert – aber sie erwiesen sich als "langlebig". Noch heute geistern sie durch den Postbetrieb. Kommen sie einer Stempel- oder Verteilermaschine, die ja die Arbeit rationalisieren und beschleunigen sollen, in die Quere, dann streikt der Apparat und hält den ganzen Betrieb auf.

Die Bundespost hat also allen Grund, sich endlich die äußerst unerwünschten lappigen Dinger vom Halse zu schaffen. Seit Jahren versucht sie immer wieder, Hersteller und Verbraucher auf die Notwendigkeit eines ausreichenden Papiergewichts bei Karten aufmerksam zu machen. "Amtsblattverfügungen", Hinweise und Anordnungen "ergingen" wiederholt. Sie "taten jedermann kund und zu wissen", daß die Aufbrauchest der "leichten" Karten (leichter als 2,5 g) Ende 1959 abläuft. Nun, jetzt versucht’s die Post halt mit Nachporto. Ärgerlich – aber wie soll sie sich anders helfen. sl.