Die Verwaltung der Buderus’sche Eisenwerke, Wetzlar, wird der Hauptversammlung vorschlagen, für das Geschäftsjahr 1959 eine Dividende von 10 vH zu zahlen. Das ist mehr als in den zurückliegenden Jahren (mit 9 vH und 8 vH), im Vergleich mit dem, was in unserem Lande heute die Börsianer erwarten, aber nicht sehr viel. Aber Buderus segelt nun einmal als ein Unternehmen der Eisengießerei-Industrie nicht im vollen Winde der Konjunktur der Investitionsgüterindustrie. Gußeisen ist ein Erzeugnis, das von der modernen Technik aus vielen Anwendungsgebieten verdrängt wird. Von einer Expansion kann also keine Rede sein, auch nicht bei Buderus. Das Unternehmen hat jedoch seine Position verbessert. Es konnte seinen Anteil an der Erzeugung von Gußeisenerzeugnissen in der Bundesrepublik von 9. vH in 1957 auf wieder 10 vH anheben.

Aus den für die Eisengießereien gegebenen Schwierigkeiten versucht Buderus mit einigem Erfolg auf zwei Wegen herauszukommen. Einmal werden für Gußeisen neue Anwendungsgebiete erschlossen und zum anderen geht Buderus dort, wo der Gußeisenerzeugung durch Konkurrenzprodukte (Stahlblech, Kunststoff, Beton) Grenzen gesetzt sind, zur Verwendung der Wettbewerbswerkstoffe über. Dafür bietet Buderus mit seinem dezentralisierten Betriebsaufbau und seinen Beteiligungsgesellschaften auch günstige Voraussetzungen. Oberhaupt erweist sich heute die Dezentralisation als ein Vorzug. Das war nicht immer der Fall. Sie ist auch nicht gewollt, sondern hat sich historisch entwickelt. Die Eisenindustrie an Lahn und Dill, die ursprünglich aus einer Vielzahl kleinerer Unternehmen bestand, hat sich auf Buderus konzentriert, wobei vielfach die alten Arbeitsstätten erhalten blieben. Mit ihnen aber fühlen sich große Teile der Arbeiterschaft, die in den umliegenden Dörfern noch nebenberuflich in der eigenen Landwirtschaft tätig ist, verbunden. Die Fluktuation ist bei Buderus nicht so groß wie sonst in der Industrie.

In Wetzlar ist man der Überzeugung, daß man den Vorzug der Dezentralisation pflegen sollte, nicht zuletzt aus politischen und allgemeinwirtschaftlichen Überlegungen heraus. Das aber geschieht am besten durch die Schaffung von leistungsfähigen Straßen (Kanalisierung der Lahn, Elektrifizierung von Eisenbahnstrecken und Ausbau der Autobahnen.) Wenn man schon nicht im Ruhrgebiet oder Frankfurt sitzt, so muß man wenigstens schnell und billig dorthin kommen. Überlegungen der Verkehrsträger über ihre Eigenwirtschaftlichkeit müssen hiergegen, so argumentiert man in Wetzlar, zurücktreten. (Bei der Deutschen Bundesbahn ist man begreiflicherweise anderer Meinung.) Für sich selbst verspricht sich Buderus von einem Ausbau der Verkehrsstraßen eine Stärkung der Wettbewerbskraft.

In Wetzlar wurde ein Dreijahres-Investitionsprogramm aufgestellt, das für Buderus 40 Mill. DM und für den Konzern 60 Mill. DM vorsieht. Das erscheint auf den ersten Blick als nicht sehr viel. 1959 hat Buderus allein für Investitionen 17,5 Mill. DM verbraucht, wovon 15 Mill. durch Abschreibungen aufgebracht wurden. Im laufenden Jahr wird das Bild nicht viel anders aussehen. Wenn hiergegen das Dreijahres-Programm sich etwas bescheiden ausmacht, dann nur, weil es Investitionen vorsieht, die bei einer normalen Entwicklung in jedem Falle durchgeführt werden müssen.

U. K.