Die Bundesbank will nicht nur die Konjunktur bremsen, sie will darüber hinaus auch die Aktienhausse dämpfen. Ob das Letztere Aufgabe der Bundesbank ist, darüber kann man streiten. Auf alle Fälle muß sich die Börse darauf einstellen, daß in dieser Beziehung etwas geschehen wird. Inzwischen ist bekanntgeworden, daß die Bundesbank auch die Vorstände der Wertpapierbörsen veranlassen möchte, ihrerseits vor den "hohen Kursen" zu warnen, eine Anregung, die geteilte Aufnahme fand. Denn einmal glauben einige Mitglieder dieser Gremien, daß es nicht Sache der Börsenvorstände ist, die Kurse zu beeinflussen, zum anderen möchte man sich mit irgendwelchen Deklamationen nicht gern blamieren. Denn manchem Börsianer wird es heute schwer angekreidet, daß er bereits vor ein bis zwei Jahren erklärte, die Kurse seien nicht mehr zu verantworten – und damals standen wir erst am Beginn der Hausse.

Die Bundesbank hat bereits mit neuen konjunkturdämpfenden Maßnahmen gedroht, durch die die Bewegungsfreiheit der Banken scharf beschnitten werden würde. Das möchten die Institute gern vermeiden. Sie unternehmen deshalb nichts, was in irgendeiner Weise die Hausse aufs neue entfachen könnte. Im Gegenteil, gerade in diesen Kreisen sah man am Wochenbeginn, als es in den Kursen manchmal laut rauschte, recht zufriedene Gesichter. Die nächste Sitzung des Zentralbankrates findet am 21. Juli statt, das ist die letzte vor der Sommerpause. Bis dahin möchte man nicht den Unwillen der Bundesbank erregen. Die Wertpapierberater der Banken rieten deshalb nicht ab, wenn Kunden Wertpapiergewinne mitnehmen wollten.

Der Wunsch nach ruhigen Börsen wird aber nur in Erfüllung gehen, wenn gleichzeitig das Ausland inaktiv bleibt. Dafür besteht eine gewisse Aussicht, denn in Zeiten internationaler Spannungen, wie wir sie jetzt im Kongo und auf Kuba erleben, stockt der internationale Kapitalfluß. Tatsächlich wurden vom Ausland über die Schweiz in den letzten Tagen einige Beträge deutscher Aktien zurückdirigiert, die das Angebot noch vermehrten. Andererseits darf nicht verschwiegen werden, daß es auch in den börsenschwachen Tagen Leute gab, die unbeirrt ihre Aktienbestände vergrößert haben, und zwar wohlverstanden mit eigenen Mitteln, die seit längerer Zeit bereit liegen. Das Argument der Käufer: Im Vergleich zu den Kursen vieler ausländischer Wertpapiere sind die deutschen Aktien noch billig. Auf längere Sicht sind die Kurse durchaus zu verantworten. "Eingriffe von hoher Hand" haben nur einen vorübergehenden Einfluß, denn entscheidend an der Börse bleiben Angebot und Nachfrage. – Es stehen sich zur Zeit also zwei Parteien gegenüber, wobei es scheint, daß die Baissiers, unterstützt durch die Bundesbank, im Augenblick über die schwereren Geschütze verfügen.

Es konnte nicht überraschen, daß besonders die marktgängigen Werte, das sind jene Papiere, in denen noch viel flottantes Material vorhanden ist, am ehesten dem Kursdruck ausgesetzt waren. Hier ballte sich das Angebot zusammen, während bei den Werten mit engem Markt eine größere Stabilität bestand, jedenfalls teilweise. Die Großaktionäre halten an ihrem Besitz fest; sie sind an der Kursentwicklung nicht interessiert, denn für sie sind Beteiligungen kein Spekulationsobjekt, sondern dienen sie zur Abrundung ihrer Konzerninteressen. Hinzu kommt, daß Aktien, die zum Firmenvermögen gehören, ohnehin kaum realisiert werden können, es sei denn, jemand würde einen steuerlichen Selbstmord versuchen. Kurt Wendt