Von Janko Musulin

Wien, im Juli

Es ist gegen zwei Uhr nachmittags, die Sonne hat sich hinter Wolken verborgen und die Firnzungen, die sich von den Kapruner Bergen ins Tal hinabstrecken, sehen grau und schmutzig aus. Der "Konferenzautobus" hat auf der zweiten Dammkrone haltgemacht.

Chruschtschow klettert heraus: Lächeln, Goldblombe, watschelnder Gang ... ein Kopf, an dem noch am ehesten das Gleichmaß der Rundung zu oben wäre; Nase, Ohren und Warzen machen len Eindruck, als wären sie von der Kelle eines lachlässigen Stukkateurs draufgekleckst worden. Der Kranz schneeweißer, sehr feiner Haare, der die Billardkugel der Glatze sanft einfaßt – darunter eine harte Falte, dann noch eine, die asymnetrisch rechts am Nacken sitzt – verleiht der Gestalt landpfarrerhafte Würde. Der russische Diktator tritt an das Geländer der Dammkrone und überblickt die Szenerie des größten Kraftwerkes der Alpen.

Seltsame Überlegung, daß die Gedankengänge dieses kleinen, fremden Mannes, der da am Abgrund steht, für unser aller Geschick mitbestimmend sein mögen. Was kommt ihm hier, angesichts des großen Landschaftsbildes in den Sinn? Wird seine Seele einen Augenblick von der Weite bewegt? Oder überlegt er sich nur die nächste Clownerie? Denn nun ist ja langsam wieder eine Posse fällig!

Der wievielte Auftritt? Ach, man hat längst vergessen sie zu zählen, und es gibt auf dieser Fahrt, die quer durch Österreich führte, kaum Journaisten, die seiner Scherze nicht längst überdrüssig sind. Was ist überhaupt echt an diesem Schauspiel? Nicht das morgendliche Plansoll an Harun al Rashid-Unternehmungen, nicht die Ausbrüche und die ihnen folgenden Entschuldigungen und auch nicht das Poltern. Am ehesten noch das Vergnügen an Leben und Fahrt, die Freude am Beifall, die Ungezwungenheit, die "dolce vita" des hochgekommenen Funktionärs.

"Chruschtschow ist eine jubelnde Menge im Alleingang bemerkte ein deutscher Beobachter, In Salzburg hatte sich vor der Residenz ein klei-