Chruschtschow hat in Wien erklärt, er sähe es als eine Provokation an, wenn der Bundestag im Herbst eine Tagung in Berlin abhielte. Seine Drohung: "Wir werden uns mit den Genossen Grotewohl und Ulbricht mal durch den Kopf gehenlassen, ob es nicht richtig wäre, zur gleichen Zeit den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Dann müßten Adenauer und alle Abgeordneten bei Grotewohl ein Visum beantragen, um zurück nach Bonn zu kommen."

Wieso eigentlich Provokation? Seit 1955 hält der Bundestag in jedem Jahr seine Plenarsitzungen in Berlin ab, auch die beiden letzten Bundespräsidentenwahlen fanden dort statt. Von unserer Seite also sind keine aufreizenden Änderungen geplant. Geändert hat sich offensichtlich nur seine Vorstellung von Provokation. Doch wenn man auf alle diese Einfälle und Launen Rücksicht nehmen würde und sich durch alle seine willkürlichen, unbegründeten Drohungen einschüchtern ließe, dann käme man bald überhaupt nicht mehr zur Ruhe.

Deutlich ist uns noch in Erinnerung, wie er im Oktober 1957 zwei Wochen lang die UN-Vollversammlung und die Welt mit seinen Drohungen gegen die Türkei in Atem hielt: Nicht mehr als einen Tag brauche er, um die Türkei auszuradieren ... "Wenn die Geschütze zu feuern beginnen, können auch die Raketen fliegen, und dann wird es zu spät sein, darüber nachzudenken."

Wenige Tage später stellte sich dann plötzlich heraus, daß Nikita kein Interesse mehr daran hatte, seine aufgebauschte Geschichte weiter aufrechtzuerhalten. Mit einer Handbewegung wischte er die Kriegsdrohung vom Tisch der Generalversammlung und erschien kurz darauf, die Liebenswürdigkeit selber, in der Türkischen Botschaft in Moskau und trank auf die sowjetisch-türkische Nachbarschaft. Dff.