Höhere Umsätze – aber immer noch Bilanzverluste

Die Bilanz der Deutsche Shell AG, Hamburg für 1959 spiegelt die besondere Situation de großen Erdölkonzerne wider, in die sie durch die Erdölschwemme, durch den daraus resultierendes härteren Wettbewerb und auch durch die protek tionistischen Maßnahmen zugunsten der Kohl geraten sind. Nicht umsonst liegen die Aktien der meisten Mineralölgesellschaften unter Druck wobei natürlich hinzukommt, daß der Besitz der großen Erdölgesellschaften in aller Welt ein hohe Maß an politischem Risiko in sich trägt, wie man jetzt gerade in Kuba wieder erleben konnte. In allgemeinen steht diesem Risiko auch eine entsprechende Ertragskraft gegenüber, die sich viel leicht am besten als eine Art Versicherungs prämie bezeichnen läßt. Diese Prämie ist bei uns in den letzten Jahren merklich zusammen geschrumpft. Der harte Wettbewerb, verschärf durch das Auftreten sogenannter "freier Tank stellen", hat die Gewinnmargen erheblich geschmä lert, auch bei der Deutschen Shell (einer hundert prozentigen Tochter von Royal Dutch). So komm es, daß – wie im Vorjahr – die wertmäßig Steigerung des Umsatzes (plus 20,5 vH) nicht der Zunahme der verkauften Mengen (plus 42,3 vH entspricht.

Das sind Zahlen mit einem deutlichen Aussagewert. Sie sagen mehr als der für 1959 ausgewiesene Bilanzverlust von knapp 5 Mill. DM, der nach Aussagen der Gesellschaft nur deshalb gesunken ist (1958: Verlust von 15,3 Mill.), weil man weitgehend auf die Anwendung degressiver Abschreibungen verzichtet hat. Man hat also die Abschreibungsmöglichkeiten für spätere Jahre aufgehoben. Für die Zukunft ist die Shell nämlich recht optimistisch. Sie meint, daß sich der westdeutsche Mineralölbedarf gegenwärtig in einen Anpassungsprozeß befindet, der ihn in Kürze an den höheren durchschnittlichen Mineralölverbraud heranführen wird. Die Shell rechnet mit einer raschen Steigerung des Mineralölbedarfs und stellt sich mit ihren Kapazitäten entsprechend darauf ein. Dem trägt die Investitionstätigkeit Rechnung. Die Anlagen-Brutto-Zugänge betruger 112 Mill. DM mit Schwerpunkt auf der Verarbeitungsseite; die Abschreibungen darauf machter 43,5 Mill. DM aus.

Der Bau der Raffinerie Godorf bei Köln ist soweit vorangeschritten, daß sie in diesem Monat in Betrieb genommen werden kann. Die Beteiligungen haben sich bei der Shell erhöht, unter anderem durch die Gründung der Tochtergesellschaften Shell Grundlagenforschung GmbH, Birlinghoven bei Bonn, die im Rahmen der Forschungstätigkeit der Royal Dutch/Shell-Gruppe Grundlagenforschung auf dem Gebiete der Naturwissenschaften treibt, sowie durch die Gründung der Tochtergesellschaften Deutsche Shell Chemie GmbH Frankfurt, die in erster Linie die Chemie-Interesser der Shell-Gruppe in Deutschland vertritt. –dt