Die lebhafte Diskussion in der Hauptversammlung der Deutschen Continental-Gas-Gesellschaft, Düsseldorf, hat gezeigt, daß allein die Tatsache, daß das Unternehmen eine langgehegte Erwartung auf Zusatzaktien realisiert, noch keineswegs ausreicht, um die Aktionäre voll zufriedenzustellen. Contigas hatte vorgeschlagen, das Aktienkapital aus Gesellschaftsmitteln um 10 auf 70 Mill. DM aufzustocken. In der HV wurde dieser Maßstab kritisiert. Es hieß, die Ausgabe von Berichtigungsaktien im Verhältnis 4 : 1 sei nicht nur erwartet worden, sondern auch möglich gewesen.

Demgegenüber hatte allerdings der Vorstand bereits in einer Pressekonferenz über den Abschluß des Geschäftsjahres 1959 darauf hingewiesen, daß 10 Mill. DM bei Contigas als oberste Grenze für eine. Kapitalberichtigung anzusehen seien. Zwar stehen in der Bilanz per 31. Dezember 1959 die Rücklagen mit 57,4 Mill. DM zu Buch. Daraus ließen sich zunächst rein optisch bei dem – jetzt erhöhten – Kapital von 70 Mill. DM weitere Berichtigungsmöglichkeiten herleiten. Aber die Verwaltung wies darauf hin, daß bei einem stärker aufgestockten Kapital die Dividendenaussichten erheblich schlechter würden. Vor der Presse hatte der Vorstandsvorsitzende Dr. Johannes Darge, betont, der Kapitalberichtigung seien schon deswegen Grenzen gesetzt, weil sich die "Dividendenbräuche stark verändert" haben. Die ursprüngliche Absicht des Gesetzgebers, das (berichtigte) höhere Kapital niedriger zu verzinsen, habe sich leider nicht durchgesetzt. Außerdem wurde in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, daß der Wertansatz der Beteiligungen um 19,9 Mill. DM über deren Nominalwert hinausgeht. Dieser Betrag müsse von den nach der Kapitalberichtigung verbleibenden Rücklagen von 47,4 Mill. DM abgesetzt werden, so daß die weiterhin als Maßstab in Betracht kommenden Reserven nur noch zwei Fünftel des Grundkapitals ausmachen. Dieser Umfang ist nach Meinung der Contigas-Verwaltung für eine Holdinggesellschaft notwendig.

In der Pressekonferenz hatte Vorstandsvorsitzer Dr. Darge etwaige Spekulationen auf eine weitere Kapitalerhöhung aus Gesellschafsmitteln nachdrücklich zurückgewiesen. In der HV war die entsprechende Antwort des Aufsichtsratsvorsitzers Dr. Plassmann um eine Nuance entgegenkommender. Er hielt eine sorgfältige Überprüfung der Ausgabe weiterer Berichtigungsaktien zu einem späteren Zeitpunkt immerhin für möglich.

Für die Dividende von wieder 11 (11) vH, die bereits auf das erhöhte Kapital gezahlt wird, muß das Unternehmen 1 Mill. DM mehr aufwenden als im Vorjahr. Der für die Dividende erforderliche Reingewinn in Höhe von 7,5 Mill. DM geht sogar über die mit 6,7 (5,7) Mill. DM ausgewiesenen Beteiligungserträge hinaus. Die elfprozentige Ausschüttung für 1959 entspricht damit im Grunde, bezieht man den Dividendenbetrag auf das alte Kapital, einer Erhöhung um 1 Prozent. Damit gibt Contigas den Spitzensatz der Dividende, den sie selbst als Holding von ihren Beteiligungsgesellschaften für 1958 vereinnahmt hat, an ihre Aktionäre weiter.

Die Contigas-Gruppe betätigt sich auf drei Gebieten: Energieversorgung, Elektroindustrie und Steinkohlenbergbau. Diese drei Sparten sind zwar durchaus unterschiedlich von der konjunkturellen Sonne bedacht, aber insgesamt erwartet die Konzernverwaltung auch für 1960 wieder ein zufriedenstellendes Ergebnis.

Ihren früheren Charakter als reine Publikumsgesellschaft hat Contigas in den letzten Jahren zunehmend eingebüßt. Die Verwaltung teilte auf Befragen mit, daß "sicherlich mehr als die Hälfte des Kapitals" inzwischen Paketbesitz geworden ist. Nach Informationen aus Börsenkreisen sollen nicht einmal mehr 25 vH in Händen freier Aktionäre sein. Als Paket-Aktionäre sind die J. M. Voith GmbH, die Allianz und zwei Schweizer Elektro-Holdings, die Elektro-Watt, Elektrische und Industrielle Unternehmungen AG, Zürich, und die Schweizerische Gesellschaft für Elektrische Industrie, Basel, bekannt. Der attraktive Börsenkurs der Contigas-Aktie dürfte von diesen Umschichtungen in der Eigentumsstruktur sicherlich mehr beflügelt worden sein als von den jetzt weitgehend realisierten Erwartungen auf eine Kapitalberichtigung. nmn.