Köln nach Bosa als durck Bosn kindursL Tatsächlich fährt man auf der Autobahn in 10 bis 15 Minuten von Köln nach Bonn. Eine Fahrt von einem zum anderen Ende der Bundeshauptstadt dauert auf jeden Fall länger. Die Bonner Stadtväter wissen es und sinnen auf Abhilfe. Das größte Hindernis für eine zügige Durchfahrt — und zugleich das größte Verkehrs Kuriosum der vorläufigen Metropole — ist die ebenerdige Trasse der Bundesbahn: Die Züge fahren in Bonn sozusagen auf der Straße und sind von Autos und Fußgängern nur durch ein Gitter und drei Bahnschranken getrennt. Es sind beileibe nicht nur die Personenzüge des Nahverkehrs, die da fahren, sondern auch die TEE, Ft Züge der linken Rheintal Strecke Köln Mainz.

Die Strecke teilt die Stadt in zwe! Hälften — eine westliche und eine östliche. Drei Oberführungen (die dritte wurde erst vor wenigen Wochen fertig), zwei Unterführungen und vier ebenerdige Bahnübergänge sind die einzigen Verbindungen zwischen Bonn Ost und West. Besonders an drei Bahnübergängen in der City staut sich der Verkehr. Und die Bonner behaupten, dort seien die Schranken "meistens" geschlossen.

Nun soll die Bundesbahn nach dem Willen der Stadtväter unter der Erde verschwinden. Aber sie Kosten (rund 200 bis 300 Millionen) nickt aufbringen. Vor einem Jahr ist ein Arbeitsausschuß beim Bundesverkehrsministerium gebildet worden. Vertreter des Ministeriums, des Landes Nordrhein Westfalen, der Stadt Bonn und der Bundesbahn sollen die Möglichkeiten prüfen. Vorerst prüfen sie noch immer.

Die Stadt Bonn hat sich die Mühe gemacht, die Verkehrssituationen an den drei schienengleichen Übergängen in der City unter die Lupe zu, nehmen. An einem Donnerstag — also einem relativ normalen Verkehrstag — ließ das Statistische Amt zählen. In 16 Stunden (von 6 00 bis 22 00 Uhr) passierten 11 519 PKW, 22 Busse, 1318 Lieferwagen, 483 Lastwagen, 15 Lastzüge, 1346 Krafträder, 1049 Mopeds, 3892 Fahrräder — also etwa 20 000 Fahrzeuge und 15 860 Fußgänger die drei fast nebeneinanderliegenden Obergänge. Es stimmt zwar nicht, daß die Schranken "meistens" geschlossen sind, aber in der. Königsstraße würde die Schranke immerhin 131mal herabgelassen, und war 322 Minuten — also mehr als ein Drittel der Gesamtzeit — für den Verkehr gesperrt (Weberstraße l 29308; Lessingstraße 123318). Erschwerend kommt hinzu, daß der Verkehr auf der Straße just dann am stärksten wird, wenn auch die meisten Züge der Bundesbahn rollen: Morgens von 8 bis 9 Uhr, mittags von 11 bis 12 Uhr awf dem Heimweg die Bahnlinie zwischen 17 25 und 17 40 Uhr passieren müssen. Fünfmal senkt sich während dieser Zeit die Schranke. Wer auf eine Hauptstraße mit dem Fahrzeug den Schranken zustrebt, kann sich noch ungefähr ausredinen, mit welchem Schub er dran ist. Wer aus einer Nebenstraße kommt und erst auf die verstopfte Hauptstraße will, hat auch diese Chance nicht. Am späten Nachmittag greift die Verwirrung auf die ganze Nachbarschaft über. Um sie voll zu machen, bimmelt dann auch noch die Straßenbahn in das Chaos hinein. Schneller gehts deshalb doch nicht.

"Das geht so lange, bis mal was passiert", unken die Bonner. Einige Male ist es eben noch gut gegangen — so zuletzt vor 14 Tagen. Da geriet ein Kraftwagen vor den heranbrausenden Expreß. Der Fahrer konnte in letzter Sekunde noch zurücksetzen. Die Bundesbahn behauptet, der Schrankenwärter sei gestolpert und habe sich verletzt und habe deshalb die Schranke etwas spät geschlossen. Bonner Bürger behaupten — laut General Anzeiger —, die Verletzung des Wärters stamme von aufgebrachten Chauffeuren: Die hätten den Mann handgreiflich auf seine Pflichten aufmerksam gemacht. Zu klären ist das nicht mehr.

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