R. N., London, im Juli

Der britischen Regierung macht die jüngste Exportentwicklung ernsthafte Sorge. Mit einer Ansprache an 400 eigens nach London geladene Geschäftsleute leitete Premierminister MacMillan eine neue große Ausfuhrkampagne ein, deren Dringlichkeit von anderen Regierungsmitgliedern jetzt auf weiten Reisen durch die Provinz selbst den kleineren Unternehmen nahegebracht werden soll.

Angesichts der ohnehin schwachen Verfassung der Zahlungsbilanz muß der Trend des britischen Außenhandels in der Tat als einigermaßen beunruhigend gelten. Bei Importen für 389 Mill. £ und Exporten für 285 Mill. schnellte das Austauschdefizit im Juni um nicht weniger als 39 £ auf 99 Mill. £ oder seinen seit Januar 1957 höchsten Stand hoch, gegen 44 Mill. £ im letztjährigen Monatsmittel. Das Beunruhigende dieser Entwicklung liegt darin, daß die Importe einen steilen Aufstieg genommen haben, während sich

Es ist möglich, daß das Bemühen um eine Dämpfung des inflationären Konsum-Booms den Ausfuhren zu besserer Wettbewerbsfähigkeit dort verhelfen wird, wo es am meisten not tut, nämlich in den Lieferfristen. Der Schatzkanzler aber wird darauf bedacht sein müssen, bei der Dämpfung des Verbrauchs nicht zugleich auch die industrielle Investitionstätigkeit zu drosseln. Auf kurze Sicht gesehen läßt sich der Export wohl nur dadurch fördern, daß die noch über Kapazitätsreserven verfügenden mittleren und kleinen Unternehmen eindringlicher auf diesbezügliche Gelegenheiten hingewiesen und zu engerer Zusammenarbeit in Ausfuhrgemeinschaften veranlaßt werden – es sei denn, die Regierung greift zu dem problematischen Mittel der Steuerbegünstigung

Der diesjährige Zahlungsbilanzüberschuß wird höchstwahrscheinlich also noch bescheidener ausfallen als der letztjährige, der mit 145 Mill. £ ohnehin kaum die Hälfte der Mittel erbrachte, die zur Finanzierung der Schuldenbedienung und langfristiger Auslandsinvestitionen benötigt wurden. Um so mehr ist daher auch der neuerdings in der City herumgebotenen Meinung zu mißtrauen, daß die dem Sterling vor achtzehn Monaten zugestandene und seither durch eine weitgehende Freigabe der Dollarwareneinfuhr untermauerte Ausländerkonvertierbarkeit schon in wenigen Monaten auf das Wertschriftenpfund und überhaupt auf den Kapitalverkehr ausgedehnt werden wird.