Weder Ferienbeginn noch die außenpolitischen Ereignisse haben die Widerstandsfähigkeit der Pariser Börse bisher erschüttern können. Der Wiederausbruch des "kalten Krieges" ist ohne Nervosität registriert worden. Von der Berufsspekulation wurden die üblichen Realisationen vorgenommen.

Es traten wohl leichte Kursschwankungen ein, in keinem Fall aber kam es zu Einbrüchen, die zu einem Tendenzumschwung hätten führen können. Neben deutschen und Schweizer Käufern sind nun auch amerikanische und belgische Interessenten aufgetreten. Von französischer Seite werden die in großer Zahl im Verlaufe des Monats Juli fälligen Dividendenbeträge investiert. Dies hat zur Folge, daß häufig die Kassanotierungen höher liegen als in den gleichen auch am Terminmarkt notierten Werten.

Der Goldmarkt ist von den außenpolitischen Ereignissen überhaupt nicht berührt worden. Die Börse scheint entschlossen zu sein, die europäische Wirtschaftsdynamik über alle von außen kommenden Einflüsse zu stellen. Kongowerte, insbesondere Haut-Katanga, konnten in den Tagen der höchsten Spannung sogar beträchtliche Kurserhöhungen durchsetzen. Nordafrikanische Werte lagen ruhig. Die Börse wartet die Entwicklung in Algerien ab, glaubt aber, daß – wie das wiedererwachte Interesse für die indusrielle Durchführung des Planes von Constantine beweist – die Entwicklung zum Frieden in Nordafrika langsam, doch unaufhaltsam fortschreitet. Es steht nun fest, daß die Aktien der Compagnie Française de Riffinage offiziell Ende dieses oder Anfang nächsten Monats am Terminmarkt der Pariser Börse eingeführt werden. Es wird von einem Anfangs-Kurs von 350 NF gesprochen. Elektronische Werte mußten sich nach den starken Kurserhöhungen der letzten Wochen umfangreiche Gewinnrealisationen gefallen lassen. In der Automobilindustrie beginnen sich, ohne daß die Kurse bisher davon berührt wären, Zukunßssorgen geltend zu machen, weil die Kaufkraft des Binnenmarktes sich nicht ausreichend schnell entwickelte, um einen höheren Prozentsatz der französischen Produktion aufzunehmen und der Export auf die Dauer vielleicht nicht in der Lage sein werde, den Überschuß der Erzeugung unterzubringen. Fest lagen alle Unternehmungen, die mit dem Wegebau zusammenhingen, da die französische Regierung große Beträge für Verbesserung und Entwicklung des Straßennetzes ausgeworfen hat. Südafrikanische Goldminen haben infolge der Ereignisse im Kongo einen großen Teil ihrer in den letzten Wochen erzielten Kursverbesserungen wieder eingebüßt. Retlaw