Von Marion Gräfin Dönhoff

Was für ein Bild! Arabische Bataillone aus Marokko und Tunis, schwarze Truppen aus Ghana, Äthiopier und Schweden landen im Kongo – in pausenlosem Einsatz fliegen die Maschinen den Flugplatz in Leopoldville an. Eine Luftbrücke, wie es sie in Friedenszeiten nie zuvor gegeben hat, verbindet Afrika mit Europa. Vom 9. bis 19. Juli sind 12 000 Belgier von Afrika nach Brüssel und 30 belgische Einheiten zu 120 Mann von Brüssel nach Afrika geflogen worden.

Die Sowjets haben fünf Transportflugzeuge vom Typ Jl-18 für den Transport der Truppen aus Accra nach Leopoldville zur Verfügung gestellt. Die US-Luftwaffe hat für die UN-Truppen insgesamt 50 Maschinen im ständigen Einsatz.

Ursprünglich hatte man die belgischen Bataillone im gleichen Rhythmus, in dem UN-Truppen im Kongo eintrafen, zurückziehen wollen, aber sehr rasch zeigte sich, daß die vorgesehenen 5000 Mann UN-Truppen niemals ausreichen würden, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Darum zogen die Belgier ihre Soldaten nicht ab, sondern schickten zum Schutz ihrer Landsleute Verstärkung heran. Und darum hat die UN beschlossen, das ihr unterstehende Kommando auf insgesamt 10 000 Mann zu erhöhen. Einige Beamte der Internationalen Organisation sprechen bereits davon, daß 20 000 notwendig sein würden.

Die Tatsache, daß die Belgier das Ultimatum Lumumbas, die Truppen zurückzuziehen, ignorierten, hat den kongolesischen Ministerpräsidenten dazu veranlaßt, immer wieder von neuem zu drohen, er werde russische Militärhilfe anfordern. Sollte er wirklich so unklug sein, dies zu tun, ungeachtet der Anwesenheit der UN – die ja die Verantwortung für die Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung im Kongo übernommen hat – so kann man sicher sein, daß die Sowjets nicht so dumm sein werden, sich durch eine derart eigenmächtige Handlung die Gunst der Afrikaner zu verscherzen.

Die Verluste, die das marokkanische Kontingent im Kampf gegen die kongolesische Force Publique in Matadi erlitt, dürfte den Sowjets gezeigt haben, wie gefährlich jede Form von Einmischung auf nationaler Ebene (also außerhalb des UN-Auftrages) wäre. Im übrigen hat General Horn erklärt, der Rückzug der Belgier auf ihre Stützpunkte werde am Sonnabend beendet sein.

Die Hauptsorge dürfte also in Zukunft nicht so sehr um den beanstandeten Einsatz belgischer Truppen kreisen, als vielmehr um das Schicksal Katangas. Ministerpräsident Tschombe hat alle Nationen um Anerkennung der Selbständigkeit Katangas gebeten, aber bisher hat noch niemand seine schriftliche Anfrage beantwortet. Das einzig sichtbare Zeichen seiner Souveränität ist einstweilen die Fahne, die er entworfen hat: grüner Querbalken und dreiblättriges Kleeblatt im rot-weißen Feld.