Eigentlich wollte die Feldmühle Papier- und Zellstoffwerke AG, Düsseldorf-Oberkassel, kein Wiedersehn mit ihren alten Aktionären mehr feiern. Nachdem am 22. Dezember vorigen Jahres eine außerordentliche Hauptversammlung die Umwandlung des Unternehmens auf die Flick’sche AG für Papier- und Zellstoffinteressen beschlossen hatte, schien das der letzte öffentliche Akt der Feldmühle gewesen zu sein; aber es kam anders. Zwar war die Einstweilige Verfügung, die die Eintragung des Umwandlungsbeschlusses in das Handelsregister zunächst blockiert hatte, vom Oberlandesgericht in Düsseldorf aufgehoben worden, und auch der klagende Minderheitsaktionär legt auf die Durchführung seines Rechtsstreites keinen Wert mehr. Aber auch damit konnte die sofortige Durchführung des Umwandlungsbeschlusses nicht mehr gerettet werden. Der Registerrichter des Amtsgerichtes Düsseldorf hat, wie erinnerlich, die Eintragung in das Handelsregister ausgesetzt, um die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes darüber einzuholen, ob das Umwandlungsgesetz, soweit es eine Umwandlung durch Mehrheitsbeschluß betrifft, gegen das Grundgesetz verstößt oder nicht. Bis diese Frage jetzt vom Bundesverfassungsgericht geklärt worden ist, kann die Feldmühle nicht aus ihrer alten Haut herausschlüpfen. Sie bleibt – vorerst – was sie war: eine Aktiengesellschaft mit Groß und Kleinaktionären, deren Interessen keineswegs übereinstimmen. Die Anteilseigner werden also wider Erwarten – mindestens – noch einmal zur Hauptversammlung gebeten, um einen Jahresabschluß und eine – sogar sehr gute – Dividende entgegenzunehmen. Aufschlußreich wird in der bevorstehenden HV am 28. Juli die Präsenzliste sein. Ein Vergleich mit der Präsenz der Dezemberveranstaltung dürfte nicht uninteressant sein für die Deutung der Kursentwicklung der Feldmühleaktie, die, befeuert von Spekulations- und Aufrundungskäufen (nicht nur von einer Seite) ihren früheren Charakter als Daueranlagepapier in den letzten Monaten vollkommen eingebüßt hat.

Der Bericht, den die Verwaltung über das Geschäftsjahr 1959 abgibt, ist für die Aktionär durchaus befriedigend. Die Dividende auf das Aktienkapital von 42 Mill. DM wird auf 14 (13) vH heraufgesetzt. Diese Ausschüttung entspricht allerdings sicherlich ebenso dem verbesserten Geschäftsergebnis als auch dem Bemühen der Verwaltung, vermeidbare Schärfen in der HV-Debatte von vornherein zu umgehen.

Die Flick KG hatte es seinerzeit als unternehmensche Konzeption der Umwandlung bezeichnet, durch den Ausbau einer Kunststoff-Rohstoffproduktion im Lülsdorfer Werk der Feldmühle eine zweite tragende Säule zu geben, die gleichzeitig die enge Verbindung zu dem ebenfalls jetzt zum Flick-Bereich gehörenden Kunststoffverarbeiter Dynamit Nobel herstellen sollte. Ob an diesem Plan auch jetzt, da die Umwandlung der Feldmühle auf die eigens dafür gegründet Flick’sche AG für Papier- und Zellstoffinteresse vorerst nur als unvollendete Sinfonie gespielt werden kann, festgehalten wird, bleibt abzuwarten. An der Troisdorfer Dynamit Nobel AG ist die Feldmühle inzwischen durch weiteren Aktienerwerb im Berichts- und im laufenden Jahre mit nom. 64,9 Mill. DM – das sind 67,6 vH von 96 Mill. DM – beteiligt. nmn