Die deutsche Werftindustrie steht vor einer schwierigen Situation. Sie muß sich gegen die harten Konkurrenzangebote der staatlich geförderten japanischen und französischen Werften durchsetzen, ohne auf die Hilfe der Bundesregierung rechnen zu können, die gerade im jetzigen Zeitpunkt keine Exportförderung treiben will und deshalb auch die von der Werftindustrie gewünschte Herabsetzung des Selbstbehaltes von 20 vH bei der Hermes-Garantie nicht billigt. Die jahrelange Frachtenflaute hat die Möglichkeiten der Reeder, Neubauten in Auftrag zu geben, scharf eingeschränkt. Hinzu kommt, daß die Werftkapazitäten in der Welt in den vergangenen Jahren stärker ausgeweitet wurden, als es dem tatsächlichen Tonnageneubau-Bedarf entspricht. Die Folge wird sein, daß sich künftig nur, noch die großen, scharf rationalisierten Werften durchsetzen können. Die kleineren Betriebe werden weichen müssen.

Unter diesen Umständen will es schon etwas heißen, wenn die Deutsche Werft AG Hamburg über einen Auftragsbestand verfügt, mit dem sie in den nächsten beiden Jahren vollbeschäftigt ist und von dem sie auch in den darauffolgenden Jahren noch zehren kann, denn – wie der Alleinvorstand Dr. William Scholz auf der Hauptversammlung mitteilte – es werden in nächster Zeit noch einige Großaufträge erwartet. Eine andere Frage ist natürlich, ob im Hinblick auf die verschärften Wettbewerbsverhältnisse und besonders im Hinblick auf die nie abreißenden Lohnforderungen der Gewerkschaften die Rentabilität im bisherigen Ausmaß aufrechterhalten werden kann.

Diese Frage spielt für die kommenden Dividendenzahlungen zweifellos eine Rolle. Für 1959 wird eine Ausschüttung von 14 vH vorgenommen werden, ein Satz, der vermutlich auch für 1960 aufrechterhalten werden kann. –ndt